Unbildung für alle?

In Sachen Wortgeklingel und modische Reformen sind viele Dokumente aus dem deutschen Bildungswesen geradezu Kunstwerke. Hat sich aber das Niveau durch all die Neuerungen wirklich erhöht? Oder gibt es mehr Abiturienten und bessere Noten nur durch  „teils drastisches Absenken der Anforderungen“?

Sind die Antworten oft vollständig im Text der Aufgaben enthalten? Hat das Abitur vielfach Mittelstufen-Niveau? Ruinieren wir, zumindest in der Breite, unsere internationale Konkurrenzfähigkeit?

Prof. Hans Peter Klein: „Vom Streifenhörnchen zum Nadelstreifen – Das deutsche Bildungswesen im Kompetenztaumel“.

Schreiben Sie Ihre Meinung, Ihren Kommentar zur Sendung am Sonntag, 8. Januar, um 9.04 Uhr!

13 Kommentare zu “Unbildung für alle?”

  1. DAS

    Unser Bildungssystem ist geprägt durch schlimme, alltägliche Zustände:
    Gewalt, Unterrichtsausfälle, geschönte Noten, gestresste Lehrer und Schüler usw. Diese Situation wird durch aktuelle Entwicklungen wie Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern, Migrantenfamilien, Inklusion u.a. noch verstärkt. Hintergrund ist etwa, dass die Lehrer nur unzureichend auf die Anforderungen vorbereitet sind. Das Ergebnis ist dann häufig Dienst nach Vorschrift, Unzufriedenheit, früher Burnout usw. Ferner sorgen veraltete Gesetze und eine verkrustete Bürokratie sowie föderalistische Strukturen für die notwendige Anpassung an die Entwicklung. Hierzu tragen vor allem das mangelnde Engagement in Gesellschaft und Parteien bei.
    Unser Bildungssysteme orientiert sich – wie bei den meisten Kulturnationen – vor allem an Karrieren in Industrie und Verwaltung. Tatsächlich bräuchten wir jedoch eine ganz andere Zielorientierung, um den weiteren Zerfall unserer Gesellschaft und der Zivilisation noch abzuwenden. Die Menschen müssten lernen – auch oder zu allerest – sich auf ihre Rolle als Teil der Gesellschaft, der Populationen, Europas und der Weltbevölkerung vorzubereiten. Es reicht nicht aus, sich nur auf seinen eigenen materiellen Vorteil und Wohlstand hin auszurichten. Über die Zusammenhänge habe ich auch in meinem Buch, das ich auf http://ueberleben-wir.de vorstelle, geschrieben.

  2. Roland Kuntz

    Sind wir mittlerweile so weit, dass dieses System nicht mehr die wenigen Prozent hervorbringt, die später die Eliten des Landes stellen sollen?
    Die Massen sollen ja zu intelligenten Dummköpfen im Sinne des Arbeitsmarktes geformt werden. Intelligent, was die Anforderungen des modernen Arbeitslebens anbetrifft und dumm was die eigenen Interessen angeht.
    Unsichere Arbeitsverhältnisse und schlechte Löhne sollen als völlig normal empfunden werden.

  3. Michael Gerlach

    Zu früheren Zeiten mussten wir Kinder (bin Jahrgang 1964) uns an einen Lehrplan orientieren / anpassen. Heute muss ich feststellen, nachdem ich 3 Kinder durch die Schulzeit begleitet habe (musste 😁), das ein eventuell noch vorhandener Lehrplan an das humane Material angepasst wird. Der Bildungs Abstieg ist so in Deutschland unaufhaltsam. Wäre ich Arbeitgeber – ich hätte echte Bedenken einen jungen Menschen aus dem deutschen Bildungssystem einzustellen!

  4. M. Reiter

    In Beruflichen Schulen kann man erfahren,welche Fortschritte Schüler/innen machen,wenn sie Lehrer vor sich haben,die ihnen klare Strukturen vorgeben, Wissen vermitteln und auch Faktenwissen verlangen. Junge Leute lernen gerne, wenn sie merken,dass Fachwissen eine große Hilfe für das Erwachsenenleben ist. Selbst Mathe,Deutsch und Naturwissenschaften ergeben dann für sie einen Sinn. Leider machen zahlreiche Studienabbrecher in eben diesen Schulen obige Erfahrung reichlich spät.

  5. Johann Betz

    1. Wenn man mit Hilfe des Radios seine Deutschkenntnisse verbessern wollte, hätte man diesem Autor besser nicht zugehört. Er weiß noch nicht enmal, dass „USA“ ein Pluralbegriff ist.
    2. In der Sache hat er natürlich recht. Kinder aus bildungsfernen Schichten wird über die Verweigerung von Bildung der gesellschaftliche Aufstieg erschwert.
    Das politische Interesse an der „Sache“ wird ausgeblendet: Wenn Schüler nicht mehr nach Leistung beurteilt werden, dann werden andere Faktoren (Geldbeutel, Parteibuch) für die berufliche Karriere wichtiger.
    3. Nur sollte der Autor nicht den Ausdruck „Reformpädagogik“ verwenden, weil der in der Geschichte der Pädagogik anders gebraucht wird.
    4. Schon in meiner Referendarzeit (70er Jahre) war es verpönt, W-Fragen zu stellen, nicht erst in den letzten 20 Jahren, wie der Autor meint.

  6. Inge Neumann

    Tolle Sendung heute, bin selbst 30 Jahre im saarl. Schuldienst und vertrete voll und ganz die Ansichten des Autors. Diese Sendung sollte als Pflichtlektüre allen Kutusministerien vorgespielt werden.

  7. Wadimy

    Wichtige Sendung zum Bildungs-Absurdistan.
    Danke für den kompetenten und klare Worte nicht scheuenden Autor.

  8. Erna

    Wenn man weiß, wer den Lernstoff im Bildungssystem und im Ausbildungssystem der Ärzte aussucht, kann tiefer blicken.
    .youtube.com/watch?v=mkAo2RsU0NA
    Wenn Kinder in die Schule kommen, sind 90% davon kleine Genies.
    Wenn sie sie verlassen, nur noch 3%. Aufgabe erfüllt.
    Hier ein Beispiel für eine individuelle Förderung: youtube.com/watch?v=pvi0D91qIfE

  9. purzelchen

    Spannend stelle ich mir Folgendes vor:
    Pädagogischer Tag mit dieser Sendung als Diskussionsgrundlage an allen saarländischen Schulen mit einer (Stimmungs-)Rückmeldung des Kollegiums in Form eines Ergebnisprotokolls an das Ministerium.
    Ob das wirklich eine Minderheit wäre, die da etwas ankreidet?

  10. j.albers

    Man erzählt mir, dass die Sendung zum Bildungswesen Tagesgespräch in vielen Lehrerzimmern war. Ich empfehle dem Podcast, bitte weitersagen.

  11. Erna

    Noch was Anschauliches zum Thema. 🙂
    transinformation.net/unser-bildungssystem/

  12. Roland Kuntz

    Mir ist gerade eingefallen, was die Ursache für ein Teil der Probleme unseres Bildungswesens ist; es kann gar nicht anders sein:
    Vollkommen unbemerkt hat die Bildung der Justiz den Handlungsgrundsatz „Ohne Ansehen der Person“ entwendet. Daraus resultiert diese entsetzliche Nivellierung.
    Wenn es uns also gelingt, dieses Teil wieder bei seinem wahren Eigentümer zu installieren profitieren beide Bereiche davon.
    (Ich gehe natürlich davon aus, dass ein überwältigender Anteil der Beschäftigten in Bildung und Justiz gute Arbeit leisten)

  13. Jürgen Engel

    Es scheint mir so, als ob die schiere Menge von Pädagogen und Erziehungswissenschaftlern zu einer ebenso großen Flut von Büchern und Artikeln über immer andere Lernmethoden und Lernkulturen geführt hat, die dummerweise alle dasselbe vergessen haben: Das Kind neu zu erfinden!

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