„Wir“ – brauchen wir mehr Zusammenhalt?

Irgendein „Wir“ hat fast jeder von uns, sei es die Familie, der Club oder die Gemeinde. Aber können wir auch 7,5 Milliarden Menschen als „Wir“ empfinden?

Rassisten bestehen darauf, dass es wertvollere und minderwertige Rassen gibt. Religiöse Fanatiker verfolgen Ungläubige und Andersgläubige. Politische Fanatiker verfolgen Abweichler.

Wie können wir zu mehr Toleranz finden, zu Einfühlung in andere Menschen? Erfordert das Akzeptieren von Unterschiedlichkeit Mut?

Prof. Dietrich Grönemeyer: „Wir. Vom Mut zum Miteinander“

Schreiben Sie Ihre Meinung, Ihren Kommentar zur Sendung am Sonntag, 18.12., um 9.04 Uhr!

24 Kommentare zu “„Wir“ – brauchen wir mehr Zusammenhalt?”

  1. Wadimy

    Ein unumschränktes Wir kann und wird es nie geben. Menschliches Zusammengehörigkeitsgefühl und ein Zusammenstehen entstehen nicht zuletzt gerade in Abgrenzung von anderen, eben nicht zur betreffenden Gruppe Gehörigen.

  2. DAS

    Die „modernen“ Gesellschaften haben das Miteinander verlernt. Jeder stolpert vor sich hin und sieht nicht wie er sich als Gruppe, Volk oder Population in Schwierigkeiten bringt. Ich erkläre mir so die Probleme, die sich bei uns und um uns herum (Migration, Trump, Putin, Orban, Erdogan usw.) auftürmen. Deshalb meine ich, die Menschen werden das Miteinander wieder einüben müssen wenn sie nicht noch schlimmeren Zeiten entgegen gehen wollen. Mehr dazu habe in meinem Buch (siehe ueberleben-wir.de) geschrieben.

  3. Erna

    Miteinander ist immer besser als Krieg. 🙂
    youtu.be/sOA8IhyKT88?t=576

  4. Wadimy

    In welch beachtlichem Maße Zusammengehörigkeits- und Wirgefühl durch eine Bedrohung von außen gefördert bzw. erst geschaffen werden können, war Thema einer Science-Fiction-Story, die ich in meiner Jugend gelesen habe. Titel und Autor habe ich leider vergessen.

    Handlung: Mitten im Kalten Krieg, die Rüstungsspirale zwischen den Westmächten und dem Warschauer Pakt ist in vollem Gange, ein Dritter Weltkrieg in unmittelbarer Zukunft zu befürchten. Da sorgt die Meldung über extraterrestrische Raumschiffe mit Kurs zur Erde und die hohe Wahrscheinlichkeit eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs dieser Außerirdischen dafür, dass die Supermächte innerhalb weniger Monate von ihrem Konfrontationskurs abrücken. Alle nur erdenklichen Möglichkeiten globaler Zusammenarbeit werden realisiert, um der Menschheit die Chance zu eröffnen, dem gemeinsamen Gegner Paroli bieten zu können. Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit sind auf dem Globus sämtliche Kriegshandlungen und Kriegsvorbereitungen beendet, die Menschheit hat zu einem Wir-Gefühl gefunden.

    Clou der Geschichte, den der Leser erst am Schluss erfährt: Diese Bedrohung hat es nie in Wirklichkeit nie gegeben, sondern war von einigen einflussreichen und glaubwürdigen Experten, die wissen, wie die Mitglieder ihrer Spezies „ticken“, ausgedacht worden.

  5. Erna

    Nur mal so einige Gedankenspiele:
    Was wäre, wenn dieser Roman einer möglichen Wahrheit entspräche.
    Nur, dass diese Raumschiffe aus den eigenen geheimen Werften entstammen. Und dies ist wiederum, für fast alle hier undenkbar und reine Science-Fiction. Aber das „Wir“ wäre somit erreicht. Eine Erde unter einer Führung. Nur, wer ist diese eine Führung? Und steht sie wirklich auf der Seite der Menschheit? Wir kommen nicht an der eigenen individuellen Bewusstseinsentwicklung vorbei. Und „Wir“ sind mitten drin in diesem Geschehen.

  6. Erna

    Das altbekanne Spiel auf dieser Erde lautet im obigen Beispiel wiederum, erschaffe ein Problem, und biete danach die gewünschte (gewünscht von wem?) Lösung an. Im obigen Beispiel, eine False Flag Aktion im ganz großen Stiel. Alle Schafe rennen in eine Richtung. Das ware“Wir“ geschieht nur über die eigene Herzöffnung. Dort ist bereits alles EINS.

  7. W. Nikolai

    Das Wir ist sicherlich Bedingung für die Zukunft.
    Das „Wir“ zu erreichen setzt allerdings individuelle Prozesse der Selbstbefreiung voraus: weg mit den Masken und Ideologien jeglicher Art.
    Unterscheidbarkeit jedoch wird bleiben müssen, sonst entfällt das konstruktive „Wir“-Erleben.

  8. Roland Kuntz

    Das „wir“ hat einen ganz mächtigen Gegenspieler. Eine der wichtigsten Botschaften der herrschenden neoliberalen Ideologie lautet „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Damit isoliert man die Menschen und bringt sie dazu ihr Gegenüber als Konkurrent zu sehen. Das hat den Vorteil, dass Klein-David gegen die Goliaths dieser Welt keinerlei Chance hat, denn dafür müsste er sich mit anderen zusammenschließen.

  9. Diogenes 2

    Das „Wir“ ist doch wohl Großfamilie im größeren ?
    Dazu gehört eine „Verwandtschaft“, nicht nur vom/über Blut.
    Nur- einige Länder, Regionen, Religionen, Firmen, Parteien & Familien kränzen sich sehr gezielt, ab. Durchaus auch als notwendigen Schutzgründen.
    Reflexion auf da oben: Zitat: „Wenn Du im eigenen Hause Probleme hast, beginne Krach mit deinem Nachbarn.“ Und – die „Wir“ s. o. stehen wieder mehr zusammen.

  10. Wadimy

    So schwer es ist, den Optimismus Dietrich Grönemeyers hinsichtlich der Zukunft unserer Spezies zu teilen: Um sinnvoll, erfüllt leben zu können, gibt es zu seiner Lebenshaltung im Grunde keine Alternative.

    Danke für diese Sendung und diesen wunderbaren Gast.

  11. Roland Kuntz

    Da kann man sehen, wie zielführend eine beständige Wiederholung ist. Folgerichtig fallen die Namen Assad und Putin. Wer sich unsicher ist, dem empfehle ich mal ein paar Beiträge von Noam Chomsky anzusehen. Dieser Mann hat einen ganz ausgezeichneten Ruf.

  12. Jürgen Engel

    Begonnen hat alles mit den RNA – Sequenzen in den Urozeanen. Sie mussten sich eine Lipidhülle zulegen um sich so von der äußeren Unordnung abzugrenzen damit sie ihre eigene spezifische Ordnungsstruktur aufrechterhalten konnten. Die daraus resultierenden Urzellen waren die ersten Grenzkonrolleure der Welt. Fortan kam nur noch rein was man gebrauchen konnte. Diese heile Welt währte nicht lange, denn der Konkurrenzdruck zwang zur Kooperation. Der Einzelkämpfer hatte gegen die Gruppe nämlich keine Chance. Während das Wir innerhalb der eigenen Blutsverwandtschaft emotional noch nachvollziehbar war, stellte es außerhalb der Familie jedoch eine abstrakte Herausforderung dar, Fremde als zugehörig zu akzeptieren. Man behalf sich in dem man die Blutsverwandschaft zunächst einfach ausdehnte – Rasse, Hautfarbe, – dann abstrakter – Geografie, Werte, Relegion. Die Gruppen wurden so immer größer – Stämme, Nationen. Die Motivation, nämlich der Konkurrenzkampf gegen Nichtdazugehörige blieb. Auf diese Weise zur Gemeinschaft zu finden ist kein besonders smarter sondern leidvoller Weg und er stösst dort an seine Grenzen, wo niemand mehr gewinnen kann. Da stehen wir heute. Wir überleben nur zusammen als Weltgemeinschaft oder gar nicht und müssen das ohne äußere Bedrohung kapieren. Eine abstrakte Herausforderung, die man zwar theoretisch begreift, sie aber nicht wahr haben will sobald man an den eigenen Gewohnheiten etwas ändern soll. Dann doch lieber zurück zur Urzelle!

  13. DAS

    @Jürgen Engel: Wie soll denn „Dann doch lieber zurück zur Urzelle!“ gehen? Wer nichts ändern will wird – zumindest als Population – untergehen. Das „Wir“ muss die gesamte Menschheit umfassen. Das ging für mich aus der Sendung hervor. Ein falsch verstandenes „Wir“ hatten auch wir Deutschen schon einmal.

  14. Wadimy

    „Eine abstrakte Herausforderung, die man zwar theoretisch begreift, sie aber nicht wahr haben will sobald man an den eigenen Gewohnheiten etwas ändern soll.“ (Jürgen Engel).

    So ist es.

    Geradezu desillusionierend, dass es trotz Tschernobyl und Fukushima und trotz der ungelösten Entsorgung des Atommülls und der Endlichkeit des Rohstoffs Uran auch heute noch nicht wenige Länder gibt (darunter Japan!), die völlig unbeeindruckt weiterhin auf Atomkraft setzen (die Zahl der geplanten Atomreaktoren weltweit ist immens).

    Und was die praktischen Beiträgen des Einzelnen zum Schutz von Klima und Umwelt angeht, ist es, wenn es wirklich ernst wird, ebenfalls nicht allzu weit her. Um das zu erkennen, genügt ein Blick auf die durchschnittlichen Kriterien beim Autokauf und auf die Autoflotte auf unseren Straßen.

  15. DAS

    Also sich pessimistisch in sein Schicksal fügen? ich glaube der Mensch ist zu mehr fähig.

  16. Jürgen Engel

    @ DAS

    Wollte ich natürlich nicht als Aufforderung sondern als illusionslose Feststellung verstanden wissen. Die Rückzugs- bzw. Abschottungstendenzen sind ja in Europa und den USA ( America first ) kaum zu übersehen. Da können die Vereinten Nationen noch so viel Gemeinschaft heraufbeschwören. Vor dem eigenen Haus werden dennoch die Barrikaden aufgestellt. Wenn schon das Abgeben von Wohlstand unvermeidbar sein sollte, dann eben möglichst spät, nicht ohne Gegenwehr, zur Not über Leichen, koste es was es wolle. Also die altbekannte Menschheitsdoktrin. So oder so ähnlich haben wir es bisher schließlich immer gehalten.

  17. Hans Trescher

    Wenn hier über das ‚WIR‘ diskutiert wird, sollte man auch einmal in den eigenen Spiegel blicken und nicht vergessen, wie wir unsere Mitmenschen um uns herum behandeln. Ich blicke da insbesondere auf Hartz IV-Betroffene und Menschen, die Allmosen an unseren Tafeln erbetteln müssen. Deswegen sei an ein Gedicht von Erich Kästner aus dem Jahr 1927 erinnert, welches in seiner Aktualität zur Weihnachtszeit nichts eingebüßt hat:

    Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
    Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
    Mutter schenkte euch das Leben.
    Das genügt, wenn man’s bedenkt.
    Einmal kommt auch eure Zeit.
    Morgen ist’s noch nicht so weit.

    Doch ihr dürft nicht traurig werden.
    Reiche haben Armut gern.
    Gänsebraten macht Beschwerden.
    Puppen sind nicht mehr modern.
    Morgen kommt der Weihnachtsmann.
    Allerdings nur nebenan.

    Lauft ein bißchen durch die Straßen.
    Dort gibt’s Weihnachtsfest genug.
    Christentum, vom Turm geblasen,
    macht die kleinsten Kinder klug.

    Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
    Ohne Christbaum geht es auch.

    Tannengrün mit Osrambirnen
    – Lernt drauf pfeifen, werdet stolz!
    Reißt die Bretter von den Stirnen;
    denn im Ofen fehlt’s an Holz!
    Stille Nacht und heil’ge Nacht
    – Weint wenn’s geht nicht!
    Sondern lacht!

    Morgen, Kinder wird’s nichts geben!
    Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
    Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
    Gott ist nicht allein dran schuld.
    Gottes Güte reicht so weit …
    Ach, du „liebe“ Weihnachtszeit!

  18. W. Nikolai

    Die Schwierigkeiten, die dem Wir im Wege stehen zu benennen, überhaupt anzuerkennen, ist Bedingung zur Veränderung.
    Die Prägungen anerkennen im Sinne von annehmen, dies bedeutet nicht Resignation.
    Und rein rational sind die Schritte in Erweiterung der Person zum Wir hin nicht zu machen. Der Emotionalkörper macht zumindest 50 % des Weges aus. Zumindest der Autor hatte die Gefühlswelt berücksichtigt.

  19. Wadimy

    @ DAS
    „Also sich pessimistisch in sein Schicksal fügen? ich glaube der Mensch ist zu mehr fähig.“

    Letzteres stimmt selbstverständlich, was eine kleine Minderheit an Zeitgenossen ja belegt. Ich finde es allerdings schade, dass es eben eine so kleine Minderheit ist, welche zumindest ansatzweise die von Ihnen zu Recht angesprochenen Fähigkeiten nutzt.

  20. Magdalena

    Zu erkennen, wie die Emotionen auf den chemischen Autobahnen im Gehirn, den Körper „bedienen“ um Gefühle zu erlauben und gleichzeitig das klare, reine, logische Denken auszuschalten, hilft.

    Eine wunderbare Analogie hat Prof. Grönemeyer im Beispiel gebracht, dass unter der Haut alle gleich aussehen. Wo jedoch die Sinne bereits werten, braucht es eine Aneignung von Wissen in Verbindung von Aneignung der Emotionen in einem Beobachtungsverfahren, das ebenfalls vom Autor angesprochen wurde.

    W. Nikolai, ich stimme Ihnen zu. Es ist sehr schwer und „harte Arbeit“. Jedoch sind wir Menschen immer schon untrennbar miteinander verbunden gewesen, alles andere sind Illusionen.

    Die Sendung über das Manifest zum „Wir“: Eine gelungene Neuorientierung und Anregung in diesem Winter sich zu ändern.

  21. W. Nikolai

    Ich halte nichts davon, Gefühle gegen Ratio auszuspielen.
    Vielmehr gehören sie zusammen.
    Ohne die nährenden Gefühle kollabiert die Ratio.
    Was nutzen die besten vernünfigen bilateralen Abkommen, wenn die Emotionen nicht bearbeitet wurden ?

  22. Becker Josef

    Der Attentäter von Berlin scheint das hier geforderte: „Das „Wir“ muss die gesamte Menschheit umfassen“ noch nicht verinnerlicht zu haben. Aber ein ‚WIR-Gefühl‘ für eine bestimmte Interessensgruppe hat er garantiert. So bleibt den Intellektuellen im Lande noch viel Arbeit übrig, die Menschen vom ‚kleinen wir‘ ins ‚GROSSE WIR‘ zu bugsieren und umzuerziehen sowie die dafür nötige Gesellschaftsordnung herzustellen. Diesem Treiben der Interessenspole sollten wir von der Seitenlinie aus mit größerer Gelassenheit zusehen.

  23. Jürgen Engel

    @ Hans Trescher

    Das stimmt wohl. Aber daran sind nicht wir schuld, sondern die Bosse des Genossen Schröder. Für diese Herren fielen Weihnachten und Ostern seinerzeit zusammen, als sie die Sozialgesetzgebung Deutschlands widerstandslos so umgestalten durften, dass alle nicht regulär Beschäftigten für vogelfrei erklärt wurden, so dass man sie seitdem ungestraft vernachlässigen ( Tafeln )oder
    versklaven ( Leiharbeit, Niedriglohn ) darf.

  24. Hans Trescher

    @Jürgen Engel
    …Aber daran sind nicht wir schuld…
    Sie persönlich garantiert nicht, wie ich aus vielen anerkennenswerten Postings von Ihnen oder von Roland Kuntz lese. Aber die Mehrzahl der Menschen in Deutschland machen sich mitschuldig (sicherlich auch etliche in diesem Forum), weil sie die diese Politik der Ausbeutung ihrer Mitmenschen zumindest dulden, in dem sie Parteien wie CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNE wählen.

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