„Grüne“ – die neue FDP?

die-hoffnung-war-mal-gruen-claus-juergen-goepfert100_v-sr__169__900Um zu verstehen, was die Grünen heute treibt, muss man ihre Wurzeln und frühen Auseinandersetzungen kennen. Vieles begann mit den sogenannten 68ern, mit dem Kampf gegen Kriege und Diktaturen, mit dem Protest gegen Atomkraftwerke und die Startbahn West.

Was ist davon geblieben? Haben sich die Probleme erledigt? Wäre ein Festhalten an alten Formeln heute schädlich? Sind Umweltschutz und Pazifismus überholt? Sind die „Grünen“ heute eine etwas ökologischere FDP – in kulturellen Fragen linksliberal, in der Wirtschaftspolitik markt-liberal?

Claus-Jürgen Göpfert: „Die Hoffnung war mal grün. Aufstieg einer Partei – Das Frankfurter Modell“.

Schreiben Sie Ihre Meinung, Ihren Kommentar zur Sendung am Sonntag, 4. Dezember, um 9.04 Uhr!

6 Kommentare zu “„Grüne“ – die neue FDP?”

  1. Roland Kuntz

    Wirtschaftsnah, keine kritische Distanz zu Amerika, offen für Sanktionen und Kriegseinsätze. Ein Desinteresse an der zunehmenden Verarmung und damit verbundenen Spaltung der Gesellschaft.
    Somit ein idealer Koalitionspartner für die CDU auf Bundesebene.
    Und damit – überflüssig.

  2. DAS

    Die Grünen haben Großes geleistet indem sie gegen den immer noch anhaltenden Widerstand ökologische Themen in die Gesellschaft und Politik gebracht haben. Dass heute die Menschheit an Vereinbarungen zum Klimaschutz arbeitet, ist auch ihr Verdienst. Auch die „Energiewende“ wäre ohne sie nicht erfolgt.
    Aber auch diese Partei besteht nur aus Menschen und diese unterliegen etwa dem Zeitgeist wie Konsum, Autofahren, Fliegen usw. Sie haben leider versäumt, die philosophischen Grundlagen ihres Denkens auszubauen wie etwa der Soziologe Harald Welzer geschrieben hat. Es reicht einfach nicht, die jetzige Wirtschaft nur „grün“ machen zu wollen. An der derzeitigen katastrophalen Lage der meisten Gesellschaften dieser Erde kann man erkennen, dass mehr notwendig ist. Ich habe darüber in meinem Buch (siehe ueberleben-wir.de) geschrieben. Die Grünen sind dennoch (leider) den anderen Parteien voraus.

  3. Jürgen Engel

    Der grüne Traum, der mit dem der Linken wesensverwandt ist, ist mit der „Realpolitik“ von beiden Parteien bereitwillig zu Grabe getragen und beerdigt worden. Die Kernelemente waren mal Pazifismus und die schöne Idee, dass das Menschliche und Natürliche und somit deren Unversehrtheit einen höheren Stellenwert als das Kapital haben müsse. Aus der Traum! Zu dieser Realpolitik gehören militärische Interventionen genauso wie der unerschütterliche Glaube an ewiges Wachstum. Früher hieß es mal Deutschland über Alles, heute heißt es Profit und Arbeitsplätze über Alles, was statt militärische eben bloß ökonomische Hegemonie gegenüber dem Rest der Welt bedeutet. Dabei verschlucken die Vertreter dieser Parteien das Wort Profit und spucken nur noch Arbeitsplatz aus, wobei doch jeder weiß, dass dieser der willfährige Knecht des Profites ist, ein Sklave, der zu seiner Selbsterhaltung bereitwillig jede Sauerei mitmacht. In diesem Sinne geht man dann ebenso schulterzuckend über Leichen wie die anderen neoliberalen Parteien ( CDU, SPD und FDP ) es schon immer getan haben. Beispiel Luftverschmutzung: in Stuttgart werden die Feinstaubwerte seit Jahren massiv überschritten. Wer dagegen nichts tut ,wie der grüne Ministerpräsident, nimmt in Kauf, dass mehr Menschen an Atemwegsinfekten erkranken und vorzeitig sterben. Weil der Zusammenhang zwischen schlechter Luft und Erkrankung mit vorzeitigem Tod seit Jahren statisitisch belegt ist kann man das im Grunde als Totschlag bezeichnen. Käme man in diesem Zusammenhang auf die Idee unsere Regierungsvertreter für den Eid „Schaden vom Volke abzuwenden“ haftbar zu machen, würde der halbe Bundestag in den Knast wandern. Schließlich hat diese in Tateinheit mit der Autoindustrie jahrelang gegen schärfere Abgasnormen gekämpft, hinausgezögert oder sie verwässert und nebenbei auch noch die Softwaremanipulationen von VW und Co. „übersehen“. Hier werden Menschenleben für den Profit geopfert. In diesem Fall muss man den Amerikanern dafür dankbar sein, dass solch kranke Rechnung nicht mehr aufgeht. Hierzulande hat sogar die Natur dank der Umweltverbände noch einen höheren Stellenwert als der Mensch. So wurden in der Geburtsphase der Grünen im letzten Jhd. die Katalysatoren nicht wegen Pseudokrupp, also Atemwegserkrankungen bei Kindern eingeführt, sondern weil man Angst hatte, dass der Wald sterben würde. Darüberhinaus leistet sich die Exekutive auch noch eine Sozialgesetzgebung, die Menschen tötet. Als im Jahre 2005 die Hartz-Gesetze erstmalig zur Anwendung kamen ist die Selbstmordrate bei den Betroffenen gestiegen. Dasselbe ist bis heute im Kontext mit den Sanktionen zu befürchten. Diese höchst umstrittenen, im Kern verfassungswidrigen Sanktionen bringen jährlich viel hunderttausende Menschen vorsätzlich in eine exitentielle
    Notlage, so dass man mit Suiziden aus Verzweiflung rechnen muss. Auch hier tötet das Primat der Ökonomie. Die Vorranstellung wirtschaftlicher Interessen ist inzwischen so selbstverständlich, dass über die Folgen gar nicht mehr geredet wird. Das ist die denkbar größte Niederlage für den grünen/linken Traum.

  4. DAS

    Häme oder Schadenfreude – wie das Ende des „grünen/linken Traums“ (Jürgen Engel oben) – halte ich für nicht angebracht. Wenn die Menschen diesen Traum nicht mehr haben steht es schlecht um sie.
    Überhaupt sind die meisten Probleme Menschen gemacht. In Stuttgart fahren sie trotz der Schadstoffe einfach weiter.
    Unsere Parteienlandschaft spiegelt es wieder. Zwar kann man sicher mit guten Gründen über die Grünen oder Linken herziehen – doch die anderen sind noch viel schlimmer. Vermutlich hat der „Zeitgeist“ die „Realpolitiker“ mit entsprechenden Verlockungen für sich eingenommen.
    Wieso bleibt ein Hubert Ulrich so lange an der „grünen“ Spitze? Seine Saarlouiser sind bei den Versammlungen stets der größte Verband obwohl in Saarbrücken viel mehr „Grüne“ leben. Oder: Der heutige Saar-AfD-Führer Josef Doerr hat es jahrelang geschafft, bei Parteitagen plötzlich mit neuen Mitgliedern aufzulaufen und den Laden „aufzumischen“. Wer oder was steckt dahinter?
    Wenn die Menschen nur Sündenböcke wie etwa Politiker, Asylanten, Juden usw. suchen anstatt sich selbst für das Gemeinwohl einzubringen müssen sie ihr entsprechendes Schicksal erfahren. Wenn die US-Amerikaner einen Menschen wie Trump wählen und sich davon erhoffen, dieser würde etwas Gutes für sie tun, täuschen sie sich so wie das wir Deutschen vor 80 Jahren getan haben.

  5. Axel Schmitt

    Dolores Schmitt:
    Wie viele andere bin auch ich in den 80iger Jahren vor allem durch die Nachrüstung mit Pershing 2 und Cruise Missiles aufgewacht und engagierte mich bei den saarländischen Grünen.
    Es herrschte eine wunderbare faszinierende starke positiv idealistische, sehr demokratische, dabei auch anarchistisch gefärbte Aufbruchstimmung. Merken Sie wie ich in der Erinnerung daran geradezu ins Schwärmen gerate!

    Doch dieser Eindruck einer Auslese von Idealisten verflüchtigte sich mit den herannahenden Wahlen (wenn auch nur Kommunal, dann zum Landtag) sehr rasch, schon allein wegen der möglichen Existenzsicherung(z.B. arbeitsloser Lehrer) über einen guten Listenplatz.
    Und dadurch enttäuscht, wenn nicht sogar abgestossen, stiegen viele Grüne aus, trafen sich später wieder bei der PDS, bzw. den Linken. Nur geht dort das Trauerspiel längst auch wieder weiter. Ich beobachte hier einen ähnlichen Anpassungsprozess wie damals bei den Grünen auf allen Ebenen: man schaue sich nur einmal die Attacken auf Sarah Wagenknecht und Oskar Lafontaine an.

    Übrigens: die Grünen als Friedenspartei sind doch passe´ ,seit Joschka Fischers Positionen im ( zu dem noch völkerrechtswidrigen ) Jugoslawienkrieg.

  6. Wadimy

    Interessante Sendung mit meist guten Hörerfragen, wobei einem auch diesmal etliche Stimmen von unmittelbar vorangegangenen Sendungen her sehr bekannt vorkamen.

    Kleine Anregung dazu: Vielleicht könnte man im Falle vieler Zuhörerbeiträge bei der Auswahl der tel. Beiträge nicht gerade solche „unter den Tisch fallen lassen“, die sich schon ziemlich lange Zeit telefonisch nicht mehr einebracht haben (wobei mir klar ist, dass dies im Laufe einer Sendung nicht immer funktionieren kann).

    Zum Thema der Sendung: Dass Umweltschutz heute zentraler Bestandteil des Lebens ist, ist unbestreitbar maßgeblich das Verdienst der Partei der Grünen. Die wurde in gewisser Weise sogar ein wenig Opfer des eigenen Erfolgs, denn der Umweltschutz, ihr Zentralpunkt und ihre frühere Domäne, ist von den übrigen Parteien längst adaptiert worden. Und dadurch haben die Grünen innerhalb des Parteienspektrums in einem Zentralpunkt doch einiges an Bedeutung und Stellenwert, vielleicht sogar Identität, eingebüßt.

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