Panikmache?

schindler_panikmache100_v-sr__169__900Terroranschläge, Naturkatastrophen, nervöse „Märkte“ – eine Krise jagt die nächste. Kein Wunder, dass wir uns unsicher fühlen und an allen Ecken Gefahren wittern. Das ist höchst gefährlich: Ein Ausnahmezustand muss die Ausnahme bleiben, Dauerstress macht krank.

Müssten die Medien ihre Berichterstattung anders gewichten? Sollten wir uns regelmäßig ausklinken, die Medien abschalten? Werden wir verrückt gemacht oder machen wair das selbst? Wie lernen wir, Gefahren einzuordnen und zu gewichten?

Jörg Schindler: „Panikmache. Wie wir vor lauter Angst unser Leben verpassen“.

Schreiben Sie Ihren Kommentar, Ihre Meinung zur Sendung am Sonntag, 27.11., um 9.04 Uhr!

17 Kommentare zu “Panikmache?”

  1. Wadimy

    Ich mache es diesmal kurz und nehme mir vor, bei bei diesem einen Beitrag zu bleiben. ☺

    Medial verursachte Angst ist neben Konsum und einer Tendenz zum Virtuellen, Künstlichen, Naturfernen nur EINER der Faktoren, die ständig mehr Zeitgenossen dazu bringen, ihr Leben in weiten Strecken zu verpassen.

    Zumindest mir fallen unter den v.a. jungen Menschen, die mir unterwegs begegnen, mittlerweile schon nicht mehr solche auf, die auf ihre Smartphones starren, sondern diejenigen, die das nicht tun… 😉

  2. Roland Kuntz

    Wie würde denn der Autor das weltweite Vorgehen der USA beschreiben? Welches Wort würde er dafür wählen?

  3. Jürgen Engel

    Dass es noch nie so sicher war wie bis jetzt in diesem Jahrhundert ist sicher. Dafür war das letzte Jahrhundert das blutrünstigste und unsicherste in der Menschheitsgeschichte. In diversen Kriegen und Revolutionen wurde weltweit in einem Ausmaß massengemordet, welches nur noch ein Atomkrieg hätte überbieten können, den wir beinahe absichtlich ( Kubakrise ) oder versehentlich auch noch ausgelöst hätten. Da fragt man sich wie ein Wesen langfristig überleben soll , dass sich zwar Friedfertigkeit wünscht, diese auf Dauer aber nicht aushält. Die Hassbotschaften in den sozialen Medien sind ja nur die Spitze des Eisberges, welche auf latente Aggressionen einer weit größeren Bevölkerungsschicht hinweisen. Existenzangst bedeutete früher Lebensgefahr. Heute bedeutet es, dass man in eine kleinere Wohnung ziehen oder ohne Auto auskommen muss. Die Wut und Verzweiflung sind jedoch genauso als ob man wirklich in Gefahr wäre zu verhungern oder zu erfrieren. Wer jetzt meint, man müsste mit Gewalt soziale Gerechtigkeit herstellen, wird erleben, dass er einen schlechten Zustand bloß durch einen noch schlechteren ersetzt hat. Sinnvoll hingegen ist sich für eine bessere Welt einzusetzen und gleichzeitig zu begreifen in welch begünstigter komfortabler und sicherer Situation man dies tun kann, denn die größte Gefahr für Leib und Leben eines Mitteleuropäers ist bis dato seine eigene Lebensführung. In den Krankenhäusern liegen schließlich nicht viele Gewalt- sondern Unfallopfer oder solche deren Erkrankung auf Lebens- und Arbeitsstil zurückzuführen sind. Das wird zwar thematisiert ist aber keine Sensation. Doch in den Medien geht es fast nur noch ( auch und gerade in Nachrichten ) um Sensationen. Unfall, Gewalt und Tod, erst recht gewaltsamer Tod üben hier den stärksten Reiz aus, weshalb wir unentwegt damit gefüttert werden. Kein Flugzeugabsturz – als Nachricht schlimm aber trivial – ohne Sondersendungen, kein Amokläufer, egal wo auf diesem Planeten, der sich nicht darauf verlassen könnte weltberühmt zu werden. Weil wir solche Mängelexemplare sind fürchten wir uns vor dem Falschen und machen deswegen auch noch häufig das Falsche.

  4. Wadimy

    @ Jürgen Engel
    „Weil wir solche Mängelexemplare sind fürchten wir uns vor dem Falschen und machen deswegen auch noch häufig das Falsche.“
    Eine Art Quintessenz, die auch in der Sendung zum Ausdruck kam. Ein damit zusammenhängender, ebenfalls vom Autor deutlich angesprochener, m.E. ganz zentraler Punkt ist die bedenkliche gegenwärtige Tendenz in Politik und Bevölkerung, Freiheit einer vermeintlichen Sicherheit zu opfern.

    Für mich – auch dank eines wohltuend differenzierenden und auf Hörerbeiträge wunderbar eingehenden Autors – eine der (nach)hörenswertesten F.a.d.A.-Sendungen der letzten Monate.

  5. Magdalena

    Am Besten gefallen hat mir die Redewendung von Jörg Schindler: „In der Tat…“

    Die einen flüchten angstbedingt, die anderen verkriechen sich. Wie kann es bei beiden Menschentypen zu einer Beendigung von Angst kommen? Ja, durch Aktivität kann dies gelindert werden. Die sozialen Netzwerke sind auch eine Art von Aktion und die Flucht aus einem Kriegsgebiet ebenfalls.
    Wenn dann der Nutzen von Panikmache sogar diese ängstlichen Menschen irgendwie zu „erlösen“ scheint, wird es wirklich kompliziert.

    Haben wir Menschen nicht schon oft auf die Sicherheit von außer gehofft? Die Unsicherheit ist gestiegen, weil wir erkennen, dass wir Sicherheit nur in uns und unseren eigenen Gedankenprozessen finden können.

    Ein wohl sehr thematisch umfangreiches Buch, das zum eigenen Nachdenken anregt um sich Fragen zu stellen. Ohne Zweifel an sich selbst kann vieles erreicht werden, auch und gerade tragfähige Visionen, die in der Tat ein neues Leben bewirken.

  6. DAS

    Jürgen Engel hat zurecht auf uns Menschen als Mängelexemplare hingewiesen. Wenn jedoch viel mehr Menschen die Medien mit positiven Meldungen nutzen und als Bürger und Wähler andere Parteien bevorzugen würden wäre die Lage anders. Es muss etwas in der Psyche der Menschen sein, dass sie lieber im Katastrofenmodus leben als sich aktiv in das politische Leben einzubringen. Magdalena hat dies ebenfalls treffend angesprochen.

  7. Wadimy

    @ DAS
    „Es muss etwas in der Psyche der Menschen sein, dass sie lieber im Katastrofenmodus leben als sich aktiv in das politische Leben einzubringen.“
    Nun, wenn Sie sich ein wenig mit Evolutionsbiologie beschäftigen, dämmern Ihnen vielleicht sogar die Hintergründe dessen, was in unserer Psyche angelegt ist. Da ich mich in diesem Forum schon des Öfteren über diese Zusammenhänge geäußert habe (und den Lesern hier wiederholte Ausführungen ersparen will), möchte ich an dieser Stelle lediglich auf diese meine früheren Beiträge verweisen.

  8. Papierstau

    Eine kurze technische Frage, Herr Albers hatte schon vorletzten podcast (und auch in diesem) sehr alte „klassiker“-folgen angekündigt, aber weder in der ard/sr2-medaithek noch im RSS-feed sidn diese vorhanden. Dort sind jeweils die aktuellsten vom 14.11.2016 (uploaddatum)

  9. DAS

    @Wadimy: Leider „dämmert“ es nicht bei mir. Ich könnte Sie ja auch auf mein Buch (siehe http://ueberleben-wir.de) verweisen – das bereichert diese Diskussion nicht. Vermutlich vertreten Sie die Meinung, dass der Mensch halt so gestrickt sei und nicht anders kann. Für die meisten Menschen trifft das zu aber es gibt viele, die sich weiter entwickeln und diese These widerlegen. Schließlich begann die Evolution unseres Hirns vor Millionen Jahren.

  10. Wadimy

    @ DAS
    Ich nahm Bezug auf Ihre eher vage Andeutung, dass es „etwas in der Psyche des Menschen“ sein müsse, was ihn daran hindert, sich politisch einzubringen. Mein Hinweis ging in die Richtung, dass es sich bei diesen „Hindernissen“ um gesellschaftlich geförderte archaische, zumeist im Zwischenhirn verankerte Verhaltensprogramme- und tendenzen handelt.

    Ich bin völlig bei Ihnen, wenn Sie auf das menschliche Potential zur evolutionären Weiterentwicklung, auch persönlichen Weiterentwicklung, verweisen. Voraussetzung zu Letzterer ist ein entspr. entwickelter Verstand. Und da sind die Einflüsse, nicht zuletzt die aus den elektronischen Medien, denen heute bereits Kleinkinder ausgesetzt sind, absolut kontraproduktiv. Appelliert wird hier zu hohem Prozentsatz an die niedrigsten Instinkte; Verstand, aber auch Gemeinschaftssinn und Fähigkeit zur Empathie, werden hier kaum angesprochen

    Vor dem Mündig-Werden steht m.E. die Selbsterkenntnis. Und zu Letzterer gehört das Wissen und Durchschauen dessen, wie unser Fühlen, Denken und Verhalten beeinflusst werden. Der Knackpunkt dabei ist, dass der Mensch durchaus eine Wahl hat, dass er durchaus „anders kann“. Dazu gehören allerdings Rahmenbedingungen, die diese Wahlmöglichkeiten fördern – und das ist sicherlich nicht unsere gegenwärtige „Brot-und-Spiele“-Gesellschaft. – Sie sehen: Ich bin in Wesentlichem ganz nah bei Ihren Grundthesen.

  11. DAS

    @Wadimy: Schön, dass wir hier übereinstimmen.
    Die „Wahlmöglichkeiten“ können allerdings auch nur von uns Menschen geschaffen werden. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen daran mitarbeiten, diese zu schaffen. Die derzeitige Lage (Trump usw.) sieht nicht danach aus; Die Selbstmörder schreiten zur Tat.

  12. Hans Trescher

    Auch hier scheint es ja eine wahre Trump-Phobie zu geben; denn einige Komentarschreiber weisen beständig in Zusammenhang mit schlechten Entwicklungen jeglicher Art auf Trumph hin. Warum eigentlich? Hat sich mal jemand die Mühe gemacht und sich in US-Foren umgeschaut, was Trump wirklich sagte und warum er so viele Anhänger hat? Wohl eher nicht. Der Deutsche konsumiert viele lieber seine wohlgeliebten „Jedermann-Medien“, und das daraus entnommene Meinungs- und Feindbild läßt er sich tunlichst nicht zerstören. Wer für Trump stimmte, da sind sich die ehrlichen Beobachter mehr und mehr einig, wollte damit vor allem die Herrschaft der Washington seit Jahrzehnten dominierenden „Politik-Sippen” mit Namen wie Clinton und Bush beenden. Gerade Trump wußte und weiß dies ganz genau, und er versprach deshalb in seinem Wahlkampf, in Washington mit dem eisernen Besen zu kehren. Ob er dieses Versprechen wahr macht, ob es ihm überhaupt gelingt und ob er lange genug (über-)lebt, um dieses Vorhaben angehen zu können, das werden die wichtigsten Fragen des kommenden Jahres sein. Und das sollten wir in Ruhe abwarten ohne Vorverurteilungen auszusprechen.

  13. DAS

    @ Hans Trescher: Ich sehe die Entwicklung in USA als deutliches Vorzeichen des Niedergangs der heutigen Zivilisation. Letztere hat zu sehr nur auf das Materialistische gesetzt und die erforderliche geistig-seelische Anpassung der Menschen versäumt. Dies versuche ich, in meinem oben erwähnten Buch aufzuzeigen und ich bin überrascht wie schnell die befürchtete Entwicklung voran geht. Siehe auch Syrien, Russland, Türkei, Europa mit Deutschland.

  14. Erna

    Ich bin ein begeisterter Trumpanhänger. Aber ich spiele leider, wie auch mein lieber Gegenspieler Wolf, hier nicht mehr mit. 🙂
    klang-weg.de/adamu-umfassende-politische-lagebesprechung/

  15. DAS

    Nachtrag zum Niedergang der Zivilisation: Wenn vor allem Egoismus, Hass, Ablehnung, Gewalt und Ungerechtigkeit vorherrschen kann es (auch nach dem amerikanischen Philosophen John Rawls) keine stabile Gesellschaft geben.

  16. Magdalena

    Hallo Papierstau,

    Vielleicht haben Sie schon diese „Klassiker-Seite“ gefunden:
    http://pcast.sr-online.de/feeds/sr2-fragen-klassiker/feed.xml

  17. Jürgen Schmitt

    Rational betrachtet kann der Mensch seiner Angst mit der Wahrscheinlichkeit begegnen. Das lässt sich am besten klären, indem wir nach der Wahrscheinlichkeit fragen.
    Wie wahrscheinlich ist es denn, dass ein mit einem Sprengstoffgürtel bestückter Islamist sich neben mir auf dem Saarbrücker Christkindlmarkt in die Luft sprengt? Und schon ist der Genuß des Glühweins wieder vollkommen ungetrübt.
    Es sei denn, ich mache mir nun Gedanken wie wahrscheinlich es ist, dass ich durch den zu häufigen Genuß von Glühwein gesundheitlich Schaden nehmen könnte.

    Das wäre ja doch nun wirklich schade, da ich bei ständiger Bewusstmachung aller Gefahren meines Handelns, wohl nichts mehr genießen könnte.
    Und wer nicht genießt, der wird ungenießbar…

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