Die Mittelschicht und ihre Diener

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Wer, abgesehen von einigen Superreichen, „hält sich“ heute noch Personal? Man denkt an Butler und Kammerzofen – und fühlt sich nicht betroffen. Was aber ist mit der „Putzhilfe“, dem Gärtner, dem Lieferservice? Eine Dienstleistungsgesellschaft braucht auch Diener. Das muss nicht problematisch sein, wenn die Arbeitsbedingungen stimmen.

Droht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft mit rechtlosem Personal, das nur das Allernötigste hat, und reichen „Herrschaften“? Gibt es eine Parallelgesellschaft?

Christoph Bartmann: „Die Rückkehr der Diener. Das neue Bürgertum und sein Personal“.

Schreiben Sie Ihre Meinung, Ihren Kommentar zur Sendung am Sonntag 30.10., um 9.04 Uhr !

 

Im Rahmen der ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“.

8 Kommentare zu “Die Mittelschicht und ihre Diener”

  1. Wadimy

    Tatsache ist, und das sollte man hier nicht übersehen, dass die hier sog. „Herrschaften“ oft nicht allzu viel wohlhabender sind als ihre sog. „Diener“. Und die Tendenz einer Abnahme des eher bescheidenen Wohlstands des überwiegenden Anteils des Mittelstandes, ja sogar einer Abwanderung vieler ehemaliger Mittelständler in die Sozialsysteme ist unübersehbar.
    Diese Entwicklung wird mittelfristig noch massiv dadurch verstärkt, dass ein beträchtlicher Anteil derer, denen es gegenwärtig noch gut geht, einmal von Altersarmut betroffen sein wird.

  2. DAS

    Für einen anderen Menschen zu arbeiten ist eigentlich das Normale. Wir arbeiten doch irgendwie alle füreinander. Unsere derzeitige Situation und die im Buch angesprochenen Verhältnisse zeigen vor allem wie unsinnig unser existierendes System ist. Es verhindert eine durchaus sinnvolle Beschäftigung von privat zu privat weil etwa Altersversorgung, Krankenversicherung, Unfallversicherung usw. an ein offizielles Beschäftigungsverhältnis geknüpft sind. Ich würde doch nicht Jemanden einstellen, der plötzlich wegen Krankheit, Schwangerschaft usw. ausfällt. Ich hätte dann ja nicht die benötigte Unterstützung, könnte etwa meine Aufträge nicht vertragsgemäß erfüllen und würde eventuell sogar pleite gehen. Bei einem bedingungslosen Grundeinkommen könnte das nicht passieren. Siehe auch mein Buch, das ich auf meiner Webseite http://ueberleben-wir.de/ vorstelle.

  3. Wadimy

    @ DAS
    Die direkte gegenseitige Hilfe sollte und könnte das Modell der Zukunft sein. Nur ein Beispiel: Für unzählige noch rüstige ältere Menschen wäre es geradezu Lebenssinn stiftend, wenn sie noch gebraucht würden – und zugleich gibt es nicht weniger vor allem allein erziehende Eltern, für die es ein Segen wäre, eine liebevolle Kinderbetreuung auf privater Ebene zu finden.
    So gibt es viele Beispiele dafür, dass zwei Problemarten sich nicht zwangsläufig addieren müssen, sondern durchaus auch gegenseitig aufheben können.

  4. Jürgen Schmitt

    Meiner Einschätzung nach, sind wir alle Diener des Kapitals. Und es ist abhängig davon wieviel Kapital wir besitzen, ob wir dem Kapital dienen oder von ihm bedient werden. Und nur ein kleiner Prozentsatz (so ca. 1 Prozent) der Deutschen wird von dem Kapital bedient. Umgangssprachlich heißt es:“Lass das Geld für dich arbeiten“. Jedoch arbeitet das Geld nicht, sondern die Menschen müssen für die Rendite arbeiten. Wenn ich es nun etwas drastisch Ausdrücke, sind wir Sklaven der Menschen, die das Geld für sich arbeiten lassen…

  5. Josef Becker

    Ich würde vorschlagen die Bundesagentur für Arbeit weiter zu privatisieren. Die könnten dann – ausschließlich für Privaleute – einen einsehbaren Katalog mit Kurzbeschreibung der Fähigkeiten und Fotos der Arbeitslosen und Hartz IV-Empfänger mit Mietpreis für den Entleiher führen. Interessierte Privatleute könnten sich dann die für sie geeignet erscheinenden Arbeitslosen und Hartz IV-Empfänger unter dem angegebenen Mietpreis aussuchen. Arbeitslose und Hartz IV-Empfänger müssen natürlich von der Agentur für Arbeit unter Kürzungsandrohung ihrer Unterhaltszahlungen verpflichtet werden, täglich zur Verfügung zu stehen und alle Arbeiten anzunehmen. Um den Arbeitslosen und Hartz IV-Empfängern zusätzlich einen entsprechenden Anreiz zu geben, auch gerne arbeiten zu gehen, sollten sie die Hälfte des zu zahlenden Mietpreises an die Agentur für Arbeit völlig steuer- und abgabenfrei behalten dürfen. Da dieser Personenkreis sicherlich unter etlichen Konsumdeffiziten leidet, würden diese Zusatzgelder wohl überwiegend wieder in den Konsum fließen und die Inlandsnachfrage ankurbeln.

  6. Magdalena

    Künstliche Intelligenz:

    Alle Technologie und/oder Elektronik kommt aus den Ideen der Menschen, die sich ihre Arbeit vielleicht in einer Art Evolution vorstellten.
    Wenn nun die Frauen und die Männer, die die sogenannten dienenden Tätigkeiten ausführten, mit den Entwicklern der „künstlichen“ Hilfen zusammen arbeiten würden, ginge einiges an Gründlichem und Effektivem für viele verschiedene Bereiche nicht mehr verloren.

    Es gibt Fertigkeiten die von Maschinen übernommen werden, jedoch mit deutlichen Abstrichen im Umgang mit dieser Erde und ihren Resourcen. Hier ein neues Arbeitsfeld von Schnittstellen Menschen mit Fertigkeiten und IT-Entwicklern anzubieten, auch über die Universitäten hin zu den heute dienend Tätigen, ist für mich ein schöner Traum.

    Eine zum Nachdenken oder Umdenken anregende Themenwoche!

  7. Diogenes 2

    @Jürgen Schmitt
    Hoffe dass Ihre Einschätzung doch zu pauschal ist.
    Denke, viele sind Diener & Opfer vom Kapital. Nach Pareto 80 %.
    Es sollte für einen selbst denkenden Europäer, in halbwegs geordneter Vita, da Alternativen hat. Nicht alles hängt am Kapital oder auch Geld.
    Vieles Wichtige ist mit Geld nicht zu regeln & nicht davon gelenkt oder beeinflusst.

  8. Jürgen Schmitt

    @Diogenes 2

    Sie haben natürlich recht. Meine Einschätzung, der Dienerschaft des Menschen für die Rendite, ist pauschal. Unabhängig von unserem kapitalistischem System, kann jeder seine Tätigkeit anbieten, ohne dafür entlohnt zu werden. Sie helfen einfach… Genauso gut, kann jeder sein Geld jemanden geben, ohne dafür eine Rendite zu erwarten. Aber sobald dieser jeder, also wir, mit dem Geld ein Produkt erwirbt, muß er die Rendite bedienen. Da in dem Preis eines Produktes überall die Rendite versteckt ist. Sie kaufen z.B. ein Brot bei einem Bäcker. Der Bäcker will, oder muß, das Brot mit einer Rendite verkaufen, da er selbst Rendite bedienen muß, um das Brot überhaupt herzustellen. Für die Teigmaschinen, den Ofen, der Verkaufsladen, et cetera benötigt er Geld, welches er meistens nicht selbst hat. Dieses Geld bekommt er im allgemeinen von einer Geschäftsbank, mittels eines Kredites. Natürlich will die Geschäftsbank dafür eine Rendite, die er bedienen muß und in dem Preis des Brotes eingerechnet ist. Genauso sind in den Zutaten, die er für das Brot braucht, ebenfalls Rendite eingepreist. Selbst in den Steuern, die der Bäcker an den Staat zahlen muß, wird Rendite bedient, da auch unser Staat verschuldet ist. Und für den Strom, der er für seine Maschinen benötigt? Da müssen wir womöglich sogar die Dividende für die Aktionäre bedienen.
    Also, selbst wenn wir keine Rendite direkt bedienen müssen, werden von uns Rendite über den Kauf von Produkten bedient, da in den Produkten die Rendite eingepreist ist…

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