Wann schadet Sport?

bartens_verletzt_verkorkst_verzeizt100_v-sr__169__900Gerade für Kinder und Jugendliche ist Bewegung unverzichtbar, auch für die Entwicklung des Gehirns. Eltern haben deshalb Recht, wenn sie sportliche Aktivität unterstützen. Es fällt aber auf, dass es in Deutschland jährlich 1,5 Millionen Sportunfälle gibt. Sport kann auch zu bleibenden Schäden führen.

Schlägt hier das Leistungsdenken durch, eine Fixierung auf Wettkampf und Höchstleistung? Ist das Training methodische richtig, z.B. was Muskel-Aufbau, Dehnen und Aufwärmen betrifft? Worauf ist besonders bei Kindern zu achten?

Dr. med. Werner Bartens: „Verletzt, verkorkst, verheizt. Wie Sportvereine und Trainer unsere Kinder kaputt machen“.

Schreiben Sie Ihre Meinung, Ihren Kommentar zur Sendung am Sonntag, 16.10., um 9.04 Uhr!

8 Kommentare zu “Wann schadet Sport?”

  1. Wadimy

    Die Neigung zur Höchstleistung, zur Maßlosigkeit, ja zum Exzess, ist eines der Markenzeichen der „modernen“ Welt geworden, in der Kinder nicht selten bereits im Vorschulalter auf Leistung getrimmt – und somit eines Großteils ihrer kostbaren, unwiederbringlichen Kindheit beraubt werden. Daher ist das in diesem Buch dargestellte Phönomen keineswegs erstaunlich, sondern geradezu typisch für den Zeitgeist.

  2. Magdalena

    Sind es nicht auch hier überwiegend die Eltern oder ein Elternteil, die entscheiden ob sie ein Kind einen bestimmten Sport trainieren lassen, und es dazu in „fremde“ Hände geben?

    Das was Vorbilder anrichten können, die unhinterfragt bleiben, ist ebenfalls äußerst bekannt. Eines bedingt ja auch das andere, der Trainer und der Verein und das was Vater oder Mutter schon gerne taten, möchte das Kind auch, womöglich hört und sieht es nichts anderes. Aus medizinischer Sicht einmal etwas zum Thema zu erfahren, ist schon länger angesagt.

    Auf jeden Fall konnte in diesem Sommer und seinen Schulferien immer mal wieder kleine Gruppen von Kindern, meistens Jungen, in Straßen, auf Plätzen oder in Parks beobachtet werden, wie sie rannten, zurück rannten, und wieder eine andere Richtung einschlugen, ungewöhnlich in Bezug auf vergangene Jahre. Pokémon-go hatte dies bewirkt, sodass Bewegung und Spiel mit aktuellen Medien diese Kinder aus dem Haus holten. Mich hat das gefreut!

  3. Jürgen Engel

    Treib Sport oder bleib gesund. Oder auch – wenn Sport Mord ist, dann ist Schulsport Massenmord an Kindern. Die ( Gold )medaille Sport hat eben auch eine dunkle Seite. Man braucht sich nicht zu wundern, dass diese dunkle Seite in einer Gesellschaft, die dem Wettbewerbs- und Leistungsgedanken eine gottgleiche Verehrung zukommen lässt, unwiderstehlich an Bedeutung gewinnt. Gesunden Wettbewerb kann es nur da geben, wo Grenzen und Rahmenbedingungen festgesetzt werden. Geschieht diese nicht wird aus einer eigentlich guten Sache immer öfter eine schlechte Sache. Der Wettbewerb wird dann desaströs und am Ende auch selbstmörderisch. Fahrlässigen Selbstmord durch Doping könnte man nur verhindern, in dem man dem Doping den Nährboden entzieht, was wiederum nur realisierbar ist wenn dem Wettbewerb grundsätzlich die Basis entzogen wird. Würde man die Stopuhren depräzisieren und statt dessen nach Augenmaß entscheiden, hätte man in vielen Sportarten schlagartig nicht einen sondern viele Gewinner, weil nach menschlichem Ermessen (! ) die Spitzensportler an ihren Leistungsgrenzen und somit gleich gut sind. Statt dessen wird irgendwann noch bis zur millionstel Sekunde gemessen, weil wir wie besessen von dem e i n e n Gewinner sind, der nebenbei eine überwältigende Anzahl von Verlierern „erschafft“ und dem Doping immer neue Spielräume eröffnet. Weil dieses zwangsneurotische Leistungsdenken inzwischen alle Lebensbereiche infiltriert hat – wo man hinschaut Wettbewerbe und Rankings, mal spielerisch, mal ernster daherkommend – findet Doping inzwischen auch am Arbeitsplatz ( Medikamente ) und im Breitensport statt, obwohl man hier nicht weltberühmt werden kann. Da ist es nicht verwunderlich, dass in dieser allgemeinen geistigen und werteorientierten Verirrung alle gesellschaftlichen Kräfte, allen voran viele Eltern, daran arbeiten aus ihren Kindern Leistungsmaschinen zu machen, koste es was es wolle!

  4. Wadimy

    Wie sehr zunächst einmal ein Umdenken bei Sportverantwortlichen und Trainern im Bereich des Kinder- und Jugendsports notwendig ist, hat ein toller, kompetenter Autor in dieser Sendung überzeugend vermittelt. Hoffentlich gelang sein Buch in die Hände von vielen Trainern, aber auch Eltern.

  5. Michael S.

    “Der Mensch von heute: Das dümmste Lebewesen, das die Erde hervorgebracht hat: Er kriecht mit seinem Auto in der Großstadt wie eine Schnecke, nimmt die Umweltgifte in sich auf wie ein Staubsauger und ist obendrein noch stolz auf das, was er zustande gebracht hat.” (John B. Priestley)
    Das gilt neben noch vielen anderen Dingen auch für den Hochleistungssport.

  6. Jürgen Engel

    @ Michael S.

    Ja, der technischen Intelligenz des Menschen steht ein narzisstisch gesteuerter Trottel gegenüber. Das Wenige, was unsere äffischen Vorfahren an gesundem „Affenverstand“ hatten, haben wir mit der Menschwerdung auch noch abgelegt. Kein noch so in sein eigenes Ich verliebter Affe, hätte es sich leisten können zu glauben, dass er wie ein Vöglein fliegen könnte. Statt dessen wurden Seh- und Muskelkraft so ausbalanciert, dass er fast absturzsicher von Ast zu Ast schwingen konnte. Wir jedoch sind der Totalität unseres Selbstwertgefühl so hemmungslos ausgeliefert, dass wir auch noch bereit wären den ganzen Planeten, einschließlich uns selbst, in die Luft zu sprengen, nur um ihm zu dienen oder eben auch aus demselben Grund an jeden denkbaren Blödsinn felsenfest zu glauben bzw. sich für auserwählt zu halten. Das ist wahrhaft bedingungsloser blinder Gehorsam. Amok und Selbstmordattentäter machen diese psychotische Fehlkonstruktion der Menschwerdung , die im Prinzip bei jedem zu finden ist, nur wie unter einem Brennglas besonders deutlich sichtbar. An dem Problem den vernünftigen weisen Menschen zu fordern haben sich die Philosophen von der Antike bis Nietzsche die Zähne ausgebissen. Es geht nicht, weil Weisheit und Narzissmus sich ausschließen. Der Weise treibt auch Sport, aber nicht bis zur seelischen und körperlichen Selbstverstümmelung, weil er nicht der Beste, Schnellste sein will. Er führt keine Kriege ( auch hier geht es bloß um Überlegenheit ) weil er weiß, dass Innovation und Fortschritt auch durch Kooperation und Handel zu erreichen sind ohne vorher unendliches Leid über sich und andere zu bringen. Dauert eine Entwicklung etwas länger, macht das nichts, weil es keinen objektiven Grund zur Eile gibt. Wollte man den Begriff der Weisheit definieren, könnte man ihn treffsicher als Antimonie von unserer gängigen Lebens- und Wirtschaftsweise ableiten. Im Grunde kann man das Dilemma der typisch menschlichen Selbstwertpsychose an einem einfachen Gedankenspiel illustrieren. Wenn jemand als Erster einen Gipfel erklimmen will, kann er sich darauf verlassen, dass ihm die Mehrheit der Menschen bedingungslos zujubelt auch und gerade, wenn er dabei Kopf und Kragen riskiert. Überlebt er und kommt mit erfrorenen Füssen zurück, unter denen er bis ans Lebensende leidet, dann ist er ein Held. Wenn dagegen jemand anderes sagt, dass es für ihn nicht darauf ankommt als Erster sondern unbeschadet den Gipfel zu erreichen, weshalb er sich die Zeit nimmt, zuerst die dazu geeignete Ausrüstung herzustellen, dann beachtet ihn niemand, nur weil er jetzt Zweiter ist. Den Ruhm erntet also nicht derjenige , der sich angemessen verhält, sondern der Idiot, der blindlings Kopf und Kragen riskiert.

  7. Magdalena

    Wo sind denn hier mal die Beiträge von Eltern oder Großeltern?
    Bisher nicht für „Verletzt, verkorkst, verheizt“, noch nicht wirklich zum Amok-Puzzle.
    Von einer immer noch „imaginären“ Sarah gab es eine Kritk zum Autor und seinem Buch, weil er Vereine und Trainer beschuldige, wo doch diese den übergewichtigen Kindern helfen würden….
    Wenn es um Kinder und Jugendliche geht, geht es darum: Wie nutzen sie?

    In den ‚armen‘ Ländern sollen sie für ihre Eltern im Alter sorgen. In den wohlhabenderen Ländern sind sie Kanonenfutter – auch schon immer weltweit gewesen – die Korruption nicht hinterfragen, bzw. daran teilnehmen, und in den reichen Ländern müssen oder sollen sie das System aufrecht erhalten, nützlich sein und ALLES voranbringen.

    Deutschland wird in anderen Ländern vielfach als extrem kinderfeindlich bezeichnet. Die Familie, auch die Ersatzfamilien können mit ihren Kindern machen was sie wollen, erst wenn der Tod droht und bereits eingetreten ist, kommt Hilfe. Wem wird dann geholfen?

    Wie laut müssen diese Jugendlichen noch auf sich aufmerksam machen, damit sich Beschützer finden? Die Kinder noch Unfälle haben, damit sie nicht mehr MÜSSEN?

  8. Wadimy

    @ Michael S. und Jürgen Engel
    So ist es. Deshalb sollten wir realistischerweise – um nochmals auf das Thema der gestrigen Sendung zurückzukommen – keine allzu große Hoffnung auf einen Rückgang dieses Wahnsinns hegen.
    Meiner Einschätzung nach wird es -in allen Lebensbereichen – noch deutlich schlimmer kommen.

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