Leben bis zuletzt!

Um 9.04 Uhr direkt aus dem Restaurant „Oh!lio“ am Marktplatz in Homburg:

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Prof. Dr. Sven Gottschling: „Leben bis zuletzt. Was wir für ein gutes Sterben tun können“

Wir werden alle älter, und wir hoffen alle, dass wir eines Tages friedlich einschlafen. Leider kommt es nicht immer so: „Wir können nichts mehr für Sie tun!“ – diesen Satz fürchtet jeder Patient. Der Autor Sven Gottschling hält dagegen: „Ich behandele keine Sterbenden, sondern Lebende, die bald sterben werden.“

Was kann die Palliativmedizin heute tun? Kann sie unsere Ängste wenigstens verringern? Welche Mythen über das Sterben sind zu korrigieren?

Schreiben Sie Ihren Kommentar, Ihre Meinung zur Sendung und Veranstaltung am Sonntag, 25.9., um 9.04 Uhr aus Homburg!

 

 

24 Kommentare zu “Leben bis zuletzt!”

  1. Magdalena

    Diese Mythen, die Prof. Gottschling in seinem Buch auflistet, haben wahrscheinlich schon viele in ihrem Leben gehört, gesagt oder gedacht.

    Dass in den letzten Jahren vieles in der Medizin voran gekommen ist, sodass die Palliativmedizin nun auch mehr bekannt wurde, lässt Ängste schwinden. Da dazu auch einiges an persönlicher Erfahrung vorhanden sein sollte, lässt dieses Buch womöglich eher zu. Schließlich hängt es von den indiviuellen Weltbildern ab, die unbewusst in einem schlummern können.

    Ein für mich wundervolles Buch, das von vielen gelesen wird. Der Bedarf an Aufklärung schreitet weiter voran. Wie dieses Thema in einem Restaurant ankommen wird? Das ist dann auch ungewöhnlich.

  2. Wolf

    @Magdalena:

    Na ja, wenn man so ein Buch zusammen mit einem Motivations-Guru schreibt und vermarktet, kann man sicher auch gut bei ’ner Pizza drüber reden. Mit Tschakka in den Tod.

    Sorry, aber für mich ist dieser ‚Du kannst alles schaffen, auch wenn’s nur das Schaffen von ein paar Euro mehr auf mein Bankkonto sind‘-Menschentyp einfach ein Symptom für so gut wie alles, was in dieser Gesellschaft schiefläuft. Da denkt man, der Wahnsinn wäre mit dem ‚Ende der Windmaschinen‘ Ratelband, Höller, Bodo Schäfer und Co. endlich aus der Welt und ein paar paar Jahre später geht’s wieder mit genau den gleichen Sprüchen und Methoden von vorne los … tja, es stirbt halt doch nicht alles.

  3. Wadimy

    @ Wolf
    Ich sehe das ziemlich ähnlich.
    Einstein sagte mal sinngemäß, der Tod sei die Rechnung für all das, was uns das Leben gegeben hätte.
    Und das, was vor dem Tod kommt, nämlich sehr häufig ein langes Siechtum, oft verbunden mit dem Nachlassen auch der geistigen Kräfte, ist etwas, das wir uns nicht schönreden sollten. Selbstverständlich: Die Palliativmedizin kann die Schmerzen lindern; alles andere, das Altern, das Nachlassen der Kräfte und schließlich den Sterbeprozess – der, wenn man Glück hat, kurz ist -, kann uns keiner ersparen.

  4. Magdalena

    Nun, es geht auch um Kinder, die eine unheilbare Krankheit haben, und junge Menschen mit tödlichen Krankheiten. Wo die Hilfestellung eben auch beim Umgang und der Aufklärung der Familien liegt.

    Dass der „Rahmen“ eines Buches von Wichtigkeit ist und nicht der pure Inhalt, ist mir fremd.

  5. Wolf

    @Magdalena
    „Dass der „Rahmen“ eines Buches von Wichtigkeit ist und nicht der pure Inhalt, ist mir fremd.“

    Im Grunde haben Sie da ja recht. Ich kann halt nur mit dieser heute gängigen plumpen Vermarktungsmaschinerie nichts anfangen. Vermutlich geht’s heutzutage gar nicht mehr anders. Letztlich bedeutet das aber, dass das Buch Aufmerksamkeit bekommt, das im richtigen ‚Rahmen‘ daherkommt.

    Und wenn ich mir da den ‚Rahmen‘ anschaue, den der Co-Autor bietet …
    facebook.com/ichbinlarsamend/

    Das ist halt einfach nicht meine Welt.

    Früher haben knorrige, dauerquarzende alte Männer und alte Frauen rückblickend auf ihr Leben ihre Erfahrungen und seltsamen Wendungen in ihrem Leben gedeutet und in klugen, reflektierten Büchern aufgeschrieben … heute habe ich den Eindruck, dass Lebenswendungen gezielt und gut durchgeplant allein mit dem Blick darauf vollzogen werden, wie man sie später bestmöglich vermarkten kann.

    Das hat jetzt natürlich nichts mit dem Hauptautor zu tun, der sicher trotzdem wichtige und gute Arbeit leistet. Aber wenn ich mir die Facebook-Seite und Geschichte von Lars Amend ansehe, erinnert mich das halt an Gedankenwelten, mit denen ich leider absolut nichts anfangen kann. Na ja, nur meine Meinung – oder in dem Falle: meine Empfindung.

    @Wadimy
    Ich fand das hier ganz interessant zum Thema:
    youtube.com/watch?v=hk2bn2HjZK8

  6. Wadimy

    @ Wolf
    Danke für den Link; habe mir den Beitrag eben angesehen.
    Wo das, was uns Hilfe und „Gutes“ bringt (in jedwedem Sinne und in jedem Lebensbereich übrigens), von ökonomischen Gesichtspunkten überlagert ist – wie das leider im Gesundheitswesen mit steigender Tendenz der Fall ist, kann sich etwas ursprünglich Positives auch ins Gegenteil verkehren.

  7. DAS

    Palliativmedizin hört sich irgendwie beruhigend an: „Dann brauche ich möglicherweise nicht zu leiden“. Aber ist das nicht ein verengter Blick auf das Sterben? Weil Sterben aber zum Leben gehört sollte beides zusammen gesehen werden. Ich halte es für sinnvoll, möglichst richtig zu leben, so dass ich am Ende beruhigt gehen kann. Dann habe ich hoffentlich ein möglichst schmerzloses Ende – auch ohne äußere Hilfe.

  8. Wadimy

    @ DAS
    Das wäre der Idealfall. Und wir wissen, dass es den eher selten gibt.

  9. Alexander Tomm

    Allen Verfassern der Vorkommentare und christlichen Entscheidungsträgern sei diese Bitte aus Psalm 90 ans Herz gelegt: „Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden“!

  10. Wadimy

    @ Alexander Tomm
    Danke für diese Psalm-Worte. Ganz wesentlicher Punkt.

  11. Wolf

    @ Alexander Tomm

    Yep, und auf Akronym-Neudeutsch nennt man das YOLO – wirklich klug macht das auch nicht – führt aber m.E. nicht zu sonderlich klugem Verhalen.

    Jetzt wüsste ich nur noch gerne, was der gute alte Moses mit ‚klug werden‘ gemeint hat. Andererseits wurde über das Testament 1.0 aka AT ja für wahre Christenmenschen eh Testament 2.0 aka NT gepatcht – auf der alten Version läuft ja nur noch das Judentum. Auch wenn die ‚christlichen Entscheidungsträger‘ in Bayern mit der neuen Version noch so ihre Probleme haben und sich das mal von ministrierende Senegalesen erklären lassen könnten.

  12. Wolf

    der erste Teil soll natürlich einfach heißen

    Yep, und auf Akronym-Neudeutsch nennt man das YOLO – wirklich klug macht das auch nicht.

    …. oh je, jetzt werd‘ ich schon zum Wadimy 😉

  13. Diogenes 2

    „Der Mensch stirbt oft wie er gelebt hat“ ein oft zitierter Satz in meinem beruflichen Umfeld. Habe dies auch mehrmals so erlebt.
    Glaube das eigene Sterben ist auch viel „Glücksache“
    Wer ist in der Nähe, wer ist dabei ?
    Pater Leppich sagte dazu, als schon kranker älterer Mann:
    „Ich hoffe dass mir jemand meine Hand hält, und wenn es die schrunzlige ältere Hand einer Nonne ist. Aber die gibt es ja bis dahin nicht mehr“
    Ich hoffe er hat eine Hand gefühlt.
    Es fehlen, dort wo gestorben wird – die Handwerker/innen-
    Maschinen & Apparate gibt viele, – schon.
    Viel Glück also

  14. DAS

    Der Autor war ziemlich in seiner allopathischen Denke verstrickt. Deswegen konnte er zum Leben, das ja dem Sterben vorausgeht, wenig sagen.
    @Diogenes: Zustimmung.

  15. Wadimy

    @ Wolf
    Unabhängig von jeder Glaubenslehre: Wir wären „klug“ im Sinne von lebensklug, also eher fähig zu einem ganzheitlichen, mit weniger „Ramsch“ ausgefüllten Leben, wenn wir den Fakt des eigenen Todes nicht, wie dies gegenwärtig häufig in erschreckendem Maße der Fall ist, verdrängten, sondern in unserem Leben und Handeln bedenken würden.

  16. Wolf

    @Wadimy

    … aber ‚den Fakt des eigenen Todes bedenken‘ ist doch ziemlich wertfrei?

    Das passt gerade wieder gut zum von mir oben kritisierten Co-Autor des Buches, der sich einen schwerkranken 15jährigen geschnappt hat, um einen ‚Ziemlich beste Freunde‘-Klon zu produzieren, der jetzt auch noch bald in in die Kinos kommt. Darin darf dann auch die berühmte, ebenfalls erfolgreich verfilmte ‚bucket list‘ (Radieschen-Liste, alles was man noch getan haben will, bevor man die Radieschen von unten sieht) nicht fehlen.
    Und auf der bucket list des von ihm für sein Produkt ausgesuchten Jugendlichen stehen dann Sachen wie:

    neues Handy (iPhone 4)
    mit einem coolen Sportwagen durch die Gegend fahren
    Leute verarschen
    eine Zigarette rauchen
    mit einer geilen Limousine durch die Stadt fahren
    in Clubs gehen
    coole Klamotten und Schuhe bekommen

    Das Bedenken des eigenen Todes führt also bei den YOLOs nicht unbedingt zu weniger Ramsch und einem ‚ausgefüllten‘ Leben.

    Und ich kann nicht einmal etwas dagegen sagen, ich kann doch nicht bestimmen, was sich im Kopf eines anderen als richtig anfühlt.

    Kann ich im Angesicht des Todes, des Nichts, sagen, ob ein Pater Leppich das Leben ‚richtiger‘ gelebt hat, der beim Abgang die schrunzlige Hand einer Nonne halten will, oder ein Rolf Eden, der sich seinen Exitus beim Koitus mit einer jungen Frau wünscht, die, wenn sie die Glückliche ist, der das passsiert, dafür dann 300.000 Euro erbt – Sex als Lotterie, sozusagen.

    Hat nicht der sein Leben ‚richtig‘ gelebt, der darin einfach glücklich und zufrieden war?

    Ich bin ja auch eher spirituell orientiert, statt materiell (ohne an Gott zu glauben oder irgendwelcher Esoterik hinterherzulaufen). Aber wenn jemand sein ‚richtiges‘ Leben in dem findet, was ich als totalen Ramsch bezeichnen würde, habe ich dann, gerade angesichts der Tatsache, dass wir beide sterben müssen, das Recht, über ihn die Nase zu rümpfen, solange er mit seinem Verhalten nicht nachweislich anderen Menschen schadet?

  17. Magdalena

    @ Wolf

    Die Definition von YOLO you only live once im Englischen, hat eine andere Bedeutung als die christliche geprägte Aussage: du hast nur ein Leben. Danke für dieses Wort, das ich bisher nicht kannte.

    Wie sollten Jugendliche die eine unheilbare Krankheit haben denn wirklich leben? Im Leiden, oder im Siechtum, oder in einer gewissen Lebensqualität?
    Der Autor hat gestern ja deutlich gemacht, dass es um die Aufklärung der Menschen geht, was die Palliativmedizin angeht, und deren Mangel an Verbreitung.

    Die Angst vor dem, was vor dem Sterben kommt, wird immer wieder von Menschen geäußert, nicht das Sterben an sich. In dieser Sache haben Betroffene heute weitaus mehr Möglichkeiten zu wählen. Auch könnten sie nach Dänemark oder Belgien reisen.

    Dass dies sehr unterschiedlich gewertet wird, von noch nicht Betroffenen, kann sehr verletzend sein.

  18. Wadimy

    @ Wolf
    „Aber wenn jemand sein ‚richtiges‘ Leben in dem findet, was ich als totalen Ramsch bezeichnen würde, habe ich dann, gerade angesichts der Tatsache, dass wir beide sterben müssen, das Recht, über ihn die Nase zu rümpfen, solange er mit seinem Verhalten nicht nachweislich anderen Menschen schadet?“

    Schon beim Schreiben des o.g. Beitrags hatte ich ganz ähnliche Gedanken. Meine Antwort auf Ihre Frage: Nein, dieses Recht haben wir nicht. Wir können es – aus unserer Sicht wiederum – als zutiefst tragisch empfinden, wenn ein Mensch in schierer Konsumwut sein Glück sucht.

    Woran ich im Kontext Ihrer Worte ebenfalls denke, ist die Einstellung vieler körperlich Gesunder gegenüber Schwerstbehinderten, eine Haltung, die geradezu ausschließt, dass ein Leben als Behinderter, auch Schwerstbehinderter, vom Betroffenen als durchaus lebenswert empfunden werden kann. Auch hier wäre die von Ihnen angemahnte Zurückhaltung in puncto voreiliger Beurteilung, wie ich finde, die angemessene Haltung.

  19. DAS

    „Nachweislich anderen nicht schaden“?
    Konsum in der heutigen Form ist meistens schädlich. Auch wenn ich selbst etwa nicht direkt von einem Auto tot gefahren werde oder an seinem CO2 eingehe schädigt es meine Lebensbedingungen und die meiner Mitmenschen; Nicht sofort aber in späteren Generationen. Das ist Körperverletzung und ich verwehre mich dagegen. Das kann ich solchen Menschen nicht durchgehen lassen.

  20. Wolf

    @Wadimy
    ja, ich stimme Ihnen da absolut zu.

    @DAS
    Ich finde unseren Auto-Kult ja auch vollkommen verrückt, aber wir profitieren halt auch von den Autos; selbst der, der kein eigenes besitzt.

    Außerdem kann ein autoverrückter Tuning-Freak (zumindest theoretisch) einen klimaschonenderen Lebensstil haben als ein autoloser, minimalistisch lebender Weltenbummler oder ein Gourmet, der sich sein Futter gerne aus der ganzen Welt einfliegen lässt. Die klimaschädlichen Gase, die bei der Produktion von nur einem Kilo Rindfleisch anfallen, sollen ja dem entsprechen, was ein Mittelklassewagen bei einer Fahrt von Saarbrücken nach Köln ausstößt.

    Na ja, ich spiele ein wenig den Advocatus Diaboli; ich finde es ja selbst absolut irre, wie wenig Lebenszufriedenheit wir aus den Unmengen an Energie ziehen, die wir derzeit verbrauchen. Jeder technologische Fortschritt in Richtung Energieeffizienz – scheint durch höhere Ansprüche (mindestens) wieder aufgefressen zu werden.

  21. DAS

    Die Frage lautete doch: Darf ich anderen ihre Lebensweise vorschreiben? Meine Antwort war: Ja wenn ich – einschließlich meiner heutigen und künftigen Mitmenschen – davon geschädigt werde. Das Auto und der Konsum waren nur greifbare Beispiele.

  22. Jürgen Engel

    @DAS
    Ja und zwar sehr schwerwiegende Beispiele, gerade Auto und Tod ( Thema )gehören bis jetzt ja untrennbar zusammen, sterben doch jedes Jahr im Straßenverkehr weltweit über 1 Mio Menschen, dazu kommt eine deutlich größere Anzahl von Verletzten und denjenigen, die ein Leben lang an den Folgen leiden. Eine solche Mordsquote, die wir uns selbst gönnen, würden wir keinem Terroristen zugestehen. Dazu möge man die Folgen der Luftverschmutzung, der Lärmbelästigung und des Bewegungsmangels addieren. Schließlich war Mobilität immerschon die selbstverständlichste körperliche Aktivität des Menschen, ein Lebenselexier, dessen wir uns freiwillig und wollüstig berauben. Das darf man gerne als vollkommen verrückt bezeichnen, aber diese Verrücktheit ist die Norm. Deshalb kann man sich dem nicht entziehen, es sei denn man wandert in die Wildnis aus. Weil das auch nicht ideal ist, ist jeder diesem Schadenspotenzial ausgeliefert, ob er nun dazu beiträgt oder nicht. Die meisten wollen nunmal diesen Lebens(todes)stil und weisen darauf hin, dass alle anderen ja genauso sind.

  23. Wadimy

    Nun, dass es in Deutschland nicht einmal eine rot/grüne Bundesregierung geschafft hat, das einzuführen, was es in fast allen vergleichbaren Ländern der Welt gibt, nämlich ein Tempolimit auf Autobahnen (welches die Unfallopferzahlen deutlich senken würde und auch aus ökologischer Sicht nahe läge), zeigt doch, wie wenig realistisch Hoffnungen auf eine Mehrheitsfähigkeit von Vernunft und Verantwortung zumindest bislang gerade auch in unserem Land sind.

  24. DAS

    @ Jürgen Engel „Die meisten wollen nunmal diesen Lebens(todes)stil“:
    Das heißt aber auch, dass diese „Meisten“ die anderen mit in den Tod nehmen. bei dieser Brutalität wundere ich mich nicht über das was in der Welt geschieht.
    Ich sehe jedoch Hoffnung wenn die Menschheit – wenigstens einige Menschen – umsteuern würde.
    In meinem Buch, das ich auf meiner Webseite http://ueberleben-wir.de/ vorstelle, habe ich dies ausführlicher erläutert.

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