USA: Welche Freiheit gibt es noch?

8_fada_Braml100~_v-sr__169__900Nach dem zweiten Weltkrieg haben die USA uns Freiheit und Demokratie (bei)gebracht. Inzwischen muss man befürchten, dass die amerikanische Demokratie zu einer Herrschaft der Reichen verkommen ist.

Sind die wachsende Ungleichheit und der Verfall der Gemeinschaft noch zu stoppen? Betreibt jede Regierung Klientelpolitik im Interesse der Kreise, die Wahlkämpfe finanzieren? Was steht in den USA noch zur Wahl? „Was bedeutet das amerikanische Ungleichgewicht für unseren Lebensstandard? Unsere Renten? Unsere Sicherheit?“

Josef Braml: „Auf Kosten der Freiheit. Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa“.

Schreiben Sie Ihren Kommentar, Ihre Meinung zur Sendung am Sonntag, 28.8., um 11.04 Uhr!

36 Kommentare zu “USA: Welche Freiheit gibt es noch?”

  1. Wadimy

    Einige Sätze zu den USA und ihrer jüngeren Entwicklung aus deutscher und europäischer Sicht:

    Im Gegensatz zur Ostzone und späteren DDR, die von der Sowjetunion schamlos wirtschaftlich ausgeplündert wurde und im Übrigen mit Demokratie nicht das Geringste zu tun hatte, ging es der späteren Bundesrepublik nach dem Kriege glänzend: Dank Marshall-Plan gab es auf deutschem Boden zum ersten Mal Demokratie, dazu das sog. Wirtschaftswunder. Die US-Regierung war so klug gewesen zu wissen, dass dieses Konzept für alle Beteiligten besser war als das, was Herr Morgenthau für Westdeutschland vorgesehen hatte. Von daher gab und gibt es, obwohl bei den USA hier selbstredend vor allem Eigeninteressen im Spiel waren, für die, die damals im westlichen Teil Deutschlands leben durften, allen Grund zur Dankbarkeit (ich empfinde im Rückblick diese Dankbarkeit vor allem als jemand, der die Situation der Menschen in der sog. Ostzone und dann DDR bei vielen Verwandtenbesuchen als Kind und Jugendlicher drastisch erlebt hat, noch immer).

    Nun bezahlt das mit den USA v.a. wirtschaftlich und militärisch verbündete, inzwischen vereinte Deutschland den Preis für das Privileg, das Westdeutschland damals zugute kam. Die USA sind zu einem Risiko-Verbündeten geworden, dessen skrupelloses, einzig und allein auf Machterhalt und wirtschaftliche Vorteile ausgerichtetes Auftreten v.a. im Nahen Osten nicht zuletzt für Europa und dessen Zukunft eine beträchtliche Gefahr bedeuten. (Ob, wie manche spekulieren, bei der Schaffung der Ursachen der Massenauswanderung aus den betr. Regionen Richtung Westen, v.a. Deutschland, seitens der USA Absicht im Spiel war, sei dahingestellt. Fest steht jedenfalls, dass diese Entwicklung den Wirtschaftskonkurrenten Deutschland empfindlich schwächen dürfte.)

    Ansätze einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik, die alleine das fatale Abhängigkeitsverhältnis und vor allem die Machtlosigkeit gegenüber dem Agieren dieses gefährlich gewordenen Verbündeten zumindest abmildern könnte, sind weit und breit keine zu erkennen.

    So etwas wie einen Hoffnungsschimmer gab es kürzlich bei den US- Präsidentschafts-Vorwahlen in Person des Demokraten Bernie Sanders, Hoffnungsträger aus europäischer Sicht, v.a. aber auch für solche US-Bürger die die fatale Entwicklung ihres Landes mit Sorge verfolgen. Durchsetzen konnte sich – erwartungsgemäß – bei den Demokraten eine mit dem Geldadel verbandelte ausgewiesene Machtpolitikerin. Und mit ihrem Kandidaten Donald Trump, einem populistischen, geradezu größenwahnsinniger Milliardär, haben die Republikaner, die einst durchaus einige große Präsidenten stellten, einen Tiefpunkt erreicht, der selbst zur Zeit von Bush II kaum vorstellbar war.

  2. Roland Kuntz

    Man muss nicht befürchten, dass die amerikanische Demokratie zu einer Herrschaft der Reichen verkommen ist, das ist schlicht und ergreifend ein Fakt.
    Georg Schramm hat ja den Ausspruch von Warren Buffet immer zitiert, was den zentralen Konflikt unserer Zeit angeht:„Der Klassenkampf natürlich, Reich gegen Arm, und meine Klasse, die Reichen, die gewinnen gerade.“
    Und der „Mann des Volkes“, Donald Trump hat ja gerade seine Strategie verdeutlicht: Einkommensteuer und Unternehmenssteuern senken, Erbschaftssteuer streichen. Also weiter wie gehabt.
    Die Abgehängten steckt man in den USA gerne in Gefängnisse, in denen skandalöse Bedingungen herrschen, Stichwort Gewinnmaximierung.
    Und dann will dieses Land allen Ernstes andere Staaten belehren und ihnen die Demokratie bringen. Einfach unglaublich.
    Ich verweise nochmal auf das Buch „Gleichheit ist Glück“ von Wilkinson & Pickett. Die Studie ist mehrfach bestätigt.

  3. Roland Kuntz

    Und weil ich gerade gelesen habe: „Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Was für ein Unsinn.“ – schreibt die Zeitung aus Frankfurt.
    Die merken noch nicht einmal, wenn sie sich selbst ins Knie schießen. Vor einigen Tagen haben sie sich kritisch über das neoliberale Rentensystem in Chile geäußert, das erkennbar gescheitert ist.
    Wie passt das damit zusammen, dass diese Zeitung seit ewig und 3 Tagen ein privatisiertes Rentensystem in Deutschland fordert? Hat man wohl einfach vergessen.

  4. Wolf

    @Wadimy

    … sehe ich wundersamerweise völlig anders 😉

    Die Zuwanderung junger Menschen schadet einem Staat wirtschaftlich nicht – das sieht man ja gerade: 18.5 Mio Euro Überschuss in den Staatskassen allein im ersten Halbjahr 2016, mehr Beschäftigung denn je, auch dank der Flüchtlinge.
    Wer ein schwaches Europa will, der muss nur ruhig zusehen, wie’s zum gemächlichen Altersheim wird.

    Gerade eine von Superreichen und USA-dominierten aber multinational geführten Konzerne geführte USA will kein wirtschaftlich schwaches Europa. Für Apple, Google und Co. gibt es in wirtschaftlich schwachen Regionen nicht viel zu holen – ihre Gewinne in Afrika dürften sich in Grenzen halten.

    Die Denke, hier wolle ein Nationalstaat (die USA) andere Nationalstaaten dominieren (Europa), führt m.E. in die Irre. Diese Zeiten sind doch längst vorbei, auch wenn Putin noch in ihnen festhängt und Trump jetzt auch versucht auf der nationalistischen Schiene zu fahren.

    Wer sagt, dass die USA Deutschland mit Flüchtlingen schwächen wolle, will damit doch im Grunde nur sagen, dass die Flüchtlinge Schaden anrichten ohne dafür in der rechten Ecke zu landen.

    Die Migrationskrise hat nur insofern etwas mit den USA zu tun, dass die Migranten dem alten amerikanischen Traum folgen, wie schon die europäischen Wirtschafts-Flüchtlinge und Despoten-Flüchtlinge, deren Nachfahren heute in den USA leben. Sie hat etwas mit dem westlichen Wohlstandsmodell zu tun, das immer noch für die verlockend ist, die Bilder davon nur aus den alten und den sozialen Medien kennen. Es sind nicht Bushs Bomben, die in Zukunft die Menschen nach Europa treiben werden – es ist ‚die Welt der schönen Bilder‘, erzeugt und verbreitet von Facebook und Google.

  5. Dieter Schwarz

    @Wolf
    …Gerade eine von Superreichen und USA-dominierten aber multinational geführten Konzerne geführte USA…
    Was ist das, wenn multinationale Konzerne einen Staat führen und weitere Staaten übernehmen wollen? Das ist Faschismus! Wenn Sie das gut heißen, dann sind Sie ein Faschist.
    …ohne dafür in der rechten Ecke zu landen…
    Wer nimmt sich hier eigentlich das Recht heraus zu definieren was „rechts“ ist und Menschen damit stigmatisieren zu wollen? Sie?, die Mainstreammedien?, Merkel, Schäuble, Maas und die gesamte ‚grüne‘ Partei? Nachdem was ich von Ihnen gelesen habe, müssten nach Ihrem Weltbild zur Zeit mindestens 60 Prozent der deutschen Ur-Bevölkerung mittlerweile rechts sein, in der ehemaligen DDR wohl ca. 80 %. Wer leugnet, dass die Flüchtlinge durch ihre Massenarbeitslosgikeit für viele Jahre und Jahrzehnte Deutschland destabilisieren werden, ist ein Rassist, der eine Minderheit (Flüchtlinge) braucht, um eine Mehrheit (eingesessenes Volk) durch lautstarkes Argumentieren zu unterdrücken, in dem er sich insbesondere auch noch den schlimmsten verbalen Mitteln zur Einschüchterung bedient (Nazi, Antisemitist, Rechtspopulist – deren Begriffe er zum Teil noch nicht einmal korrekt definieren kann) um seine verquasten politischen Ansichten durchzusetzen, die er ohne ’schützenswerte‘ Minderheiten niemals gegen die Volksmehrheit durchsetzen könnte. Zitat Georg Papandreou: ,Der Wille des Volkes ist bindend.‘ Und sonst nichts! Und der Wille der Mehrheit des Volkes will keine kulturfremden Menschen in Massen hier im Lande haben.
    …Es sind nicht Bushs Bomben, die in Zukunft die Menschen nach Europa treiben…
    Das ist richtig. Es nicht nicht Bushs Bomben, es sind Obamas Bomben und Drohnen und bald diejenigen von Hillery (der Favoritin des Militärisch-Industriellen Komplexes der USA), die die Menschen nach Europa treiben.
    …Wer ein schwaches Europa will, der muss nur ruhig zusehen, wie’s zum gemächlichen Altersheim wird…
    Was ist falsch, wenn es alten Menschen gut geht? Mit unserer jetzigen Produktionsdichte und -leistung bräuchten die Menschen nur die Hälfte Zeit von dem zu arbeiten, was sie jetzt leisten müssen und könnten dennoch durch hohe Gehälter einen guten Lebensstandard haben. Durch hohe Löhne würden gerne auch gute Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland kommen, die man auch wirklich braucht. Dazu ist die Schweiz das beste Beispiel. Wenn die Schweiz mit dem Finger schnippst, stehen sofort hunderte deutsche Fachkräfte bereit, um sofort zu emigrieren und wären heilfroh Deutschland im jetzigen Zustand den Rücken kehren zu können. Aber dieses Modell des Wohlstands für alle durch hohe Produktivität funktioniert jedoch nur, wenn man antifaschistisch denkt, nicht Exportweltmeister sein muss, und die Konzerngewinne nicht in Gänze bei wenigen Superreichen landen, sondern der Grossteil bei der sie erarbeitenden Bevölkerung. Insoweit ist Putin zwar ein Kapitalist, der aber auch das Wohl seines Volkes im Auge hat. Donald Trump tendiert langsam wohl in die gleiche Richtung. Und das ist gut so. Solche Leute sind mir allemal tausendmal lieber, als Neocons Ihres Schlages, die die Versklavung des eigenen Volkes zu rein ökonomischen Zwecken zu Gunsten einer winzig kleinen ‚Elite‘ gutheißen und betreiben und dafür auch noch Kriege, Not und Elend gerne in Kauf nehmen. Und schlimmer noch, dazu dann auch noch Ursache und Wirkung leugnen (…dass die Migranten dem alten amerikanischen Traum folgen…). Folgender Spruch würde gut in Ihre Argumentationskette passen: „Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Ignoranz ist Stärke“.

  6. Wadimy

    @ Wolf
    „… sehe ich wundersamerweise völlig anders “
    Beruhigt mich, mein Weltbild hätte gelitten, wenn das anders wäre. 😉

  7. Jürgen Kornberger

    Zitat Wolfgang Bittner aus „Die Eroberung Europas durch die USA“: „Die USA sind kein Vorbild für Frieden und Freiheit. Seit mehr als einem halben Jahrhundert gehen von dort zerstörerische Ideologien und grauenhafte Kriege aus, die ihrem Gründungsanspruch, wie in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 und in der Verfassung von 1787 niedergelegt, Hohn sprechen. Europa hat sich diesem durch nichts gerechtfertigten Machtanspruch einhellig ergeben. Die USA können überall in der Welt in kürzester Zeit Krisen inszenieren, wie es gerade passt. Ob hier langfristige Pläne umgesetzt werden oder kurzfristiges Chaos den Interessengruppen dient – nach jedem dieser Schachzüge steht die Welt näher am Abgrund. Die US-amerikanische Gesellschaft ist zerrüttet, ihre Regierung schon lange nicht mehr in der Lage, Wohlstand für die Mehrheit zu schaffen und Gerechtigkeit für alle möglich zu machen. Unfassbar hohe Mordzahlen, ein gigantisches Drogenproblem, ein marodes, völlig überteuertes Gesundheitssystem, eine kaputte Infrastruktur, Schulen, die den Namen nicht verdienen, offener Rassismus, unkontrollierte Polizeigewalt, ganze Bevölkerungsschichten, die außerhalb der Armee
    kaum noch eine Perspektive haben – dies alles vor dem Hintergrund einer Staatsverschuldung, die niemals abgetragen werden kann. Ein Horrorszenario!“
    Und diese Leitkultur sollen wir übernehmen und uns ihr unterordnen? Würg, Stöhn, Kotz!

  8. Carinha

    „Ich glaube, dass wir eine fundamentale Neubewertung der weltweiten geldpolitischen Ordnung brauchen.“ So äußerte sich Dr. Judy Shelton – Wirtschaftsberaterin von Donald Trump – kürzlich in einem Interview mit einem US-Wirtschaftsmagazin. Während sich die amerikanische Politik mit sinnvollen Ideen zur Verbesserung unserer aktuell weltweit angespannten wirtschaftlichen Lage beschäftigt und endlich das gesamte System in Frage gestellt wird, fällt unserer Regierung hierzulande nur eins ein: Hamsterkäufe! Gegen was genau wir uns damit schützen sollen, bleibt dabei relativ undurchsichtig. Wahrscheinlich würden „Teile dieser Antwort die Bevölkerung beunruhigen“. Der Aufruf zu Hamsterkäufen, kommt übrigens von keinem Geringeren als Thomas de Maizière. Ob es wohl damit etwas zu tun hat? Auszug aus German Foreign Policy: „Berlin treibt zur Zeit die Militarisierung der Außenpolitik sowie die Überwachung und Repression im Innern massiv voran – Maßnahmen, die der Kriegsvorbereitung dienen und alle betreffen werden.“

  9. Roland Kuntz

    @ Wolf
    Ich finde Ihre Ausführungen wiederum recht wundersam. Wann hat sich denn die USA davon verabschiedet andere Staaten dominieren zu wollen? Haben Sie die Rede des Generals, nein eher dieses Neandertalers, John Allen gehört? (youtube.com/watch?v=1o9D_L9A2RM)

    „Die Zuwanderung junger Menschen schadet einem Staat wirtschaftlich nicht“ – das ist eine steile These, die Sie da aufstellen. Spontan frage ich mich dann schon, warum die USA dies dann nicht erkennt und sich bedient. Es wird wohl auch darauf ankommen, welche Menschen einwandern. Deutschland will ja bekanntlich die besser Ausgebildeten aufnehmen, gerne Syrer. Und dass bei uns Kosten entstehen, ist doch vollkommen klar, die Frage ist nur, wer diese tragen darf.
    (“ „Wir schaffen das“ meint alle bis 56.000 Euro Einkommen – Besserverdiener und Beamte brauchen nicht mitmachen“ – so die Meinung von Norbert Häring).

    Und es gibt bei uns auch genügend gut ausgebildete und schlecht bezahlte Arbeitnehmer, aber die Arbeitgeber schätzen es, wenn die Auswahl noch größer ist. Sie schreiben „mehr Beschäftigung denn je“- Sie wissen schon, dass es auf das Arbeitsvolumen ankommt, nicht auf die Kopfzahl. Und dann sollte man auch von seiner Arbeit leben können, was in Deutschland die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben bedeutet und nicht das bloße Überleben meint.

    Und Sie wissen ja noch, wie unsere Strategie innerhalb der europäischen Union war: Durch das massive Exportieren haben wir den Nachbarländern auch die Arbeitslosigkeit mit exportiert. Dann haben wir großzügig wie wir sind gesagt, dass wir gut ausgebildete Fachkräfte gerne bei uns aufnehmen. Was das für die Heimatländer bedeutet kann man sich denken (Ihr Stichwort Altersheim). Wir müssen also wieder lernen unsere Probleme nicht auf Kosten anderer zu lösen.

    Was den Überschuss in der Staatskasse anbetrifft, so müsste man wissen, wie hoch der Anteil der eingesparten Zinsen ist. Es hat absolut nichts mit einem gelungenen Wirtschaften zu tun; wo soll es denn auch bei den Ministern Schäuble und Gabriel herkommen?
    Laut Heiner Flassbeck haben wir es im 2.Quartal mit einer Rezession, bestenfalls mit einer Stagnation in Deutschland zu tun. „Die 0,4 Prozent Zuwachs des BIP gegenüber dem Vorquartal, die das Statistische Bundesamt gemeldet hat, sind jedoch ein Produkt der Phantasie. Alle Indikatoren sprachen für einen Rückgang des BIP, aber die Statistiker haben daraus einen Zuwachs „gezaubert“. “ (Makroskop, Europäische Konjunktur im Sommer 2016: Keine Belebung nirgendwo – Teil 1)

    Und wenn Europa zum Altenheim wird, dann hängt das doch auch damit zusammen, dass man keine sicheren und vernünftig bezahlten Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. Die Menschen reagieren doch nur darauf. Andererseits sollten Sie doch wissen, dass diese Überalterung kein großes Problem darstellt, Entlastung gibt es einerseits durch die jährliche Produktivitätsverbesserung, andererseits sind weniger junge Menschen zu versorgen (Statistiker Bosbach)

    Dass es keinen Sinn macht mit wirtschaftlich schwachen Ländern Handel zu treiben ist richtig, Angela Merkel kapiert es aber nicht, wenn sie ständig von „Wettbewerbsfähigkeit“ spricht. Ob aber gerade die amerikanischen Konzerne eine Verbesserung in Europa bewirken bezweifele ich. Die üben Macht aus, zahlen eher schlechte Löhne, sehr geringe Steuern und nutzen gerne unsere Infrastruktur.

    Und ich denke, dass die Geschäftsidee „verklagen“ auch sehr wichtig ist, denn um Handelshemmnisse zu beseitigen bedarf es keiner Freihandelsabkommen. Sie bedeutet nur einen bescheidenen Aufwand und ist spekulativ, aber damit passt sie ja wunderbar in das Spielcasino, das man aus dieser Welt gemacht hat.
    Und ich habe doch keinerlei Problem mir vorzustellen, dass die USA 2 Richterstimmen einsammeln werden, wenn es notwendig sein sollte. Die haben einfach immer die besseren „Argumente“. Und bei TTIP brauchen sie sich nicht zu bewegen, weil sie uns mit CETA schon einen wichtigen Schritt voraus sind.

    Die Menschen kommen zu uns, weil sie vor Kriegen, wirtschaftlicher Ausbeutung und dem Klimawandel flüchten. Und daran haben Deutschland und die USA eben auch eine beträchtliche Mitschuld.

  10. Wolf

    @Carinha
    Thomas de Maizière hat nirgends zu ‚Hamsterkäufen‘ aufgerufen – das ist eine Erfindung unserer inzwischen scheinbar vollkommen idiotisierten Medien. Aber vermutlich war der Begriff in einer dpa-Meldung und jedes Medium hat’s brav abgeschrieben. Ich war ziemlich fassungslos, wie wenig Menschen in den Redaktionen der Medien offensichtlich wissen, was der Begriff ‚Hamsterkäufe‘ bedeutet.

    Ich finde es erschreckend, dass zahlreiche Menschen in diesem Land tatsächlich dazu angehalten werden müssen, für einige Tage Getränke und Essen im Haus zu haben. Ich hab‘ nie kapiert, wieso Feuerwehr und THW schon nach einem Tag Hochwasser die eingeschlossenen Menschen ‚mit dem Nötigsten‘ versorgen müssen.

    Und mit Vorräten für 10 Tage ist nun wirklich kein Krieg zu gewinnen. Im Gegenteil: für einen selbst begonnenen Krieg braucht man keine privaten Minimalvorräte – da ist genug Zeit staatliche Vorratslager anzulegen und die Verteillogistik vorzubereiten.

    @Dieter Schwarz

    Lesen Sie einfach mal nach, was Faschismus ist.

    Diese ‚Umwertung der Werte‘ durch die Neurechten ist ziemlich widerlich und leider derzeit im Idiotenpool der Internet-Foren und ‚Sozialen‘ Netzwerke gefährlich erfolgreich. Für die ist schon das Entfernen von Hakenkreuzen eine faschistische Meinungsunterdrückung und selbst Brecht, Tucholsky und George Orwell (bei Ihnen) werden für rassistische Propaganda missbraucht. Oder auch Max Frisch, wie auch hier im Blog geschehen. Die Flüchtlinge mit Max Frischs Brandstifter gleichzusetzen … meine Güte, was ging da in den Schulen ab, in den Jahrzehnten vor meiner Schulzeit? Ich finde das vollkommen irre, im Blog einer Sendereihe in deren Zuhörerschaft man eigentlich doch halbwegs intelligenz- und empathiebegabte Menschen vermuten würde.

    Die Mehrheit der Bevölkerung ist natürlich gegen eine ‚unkontrollierte Massenzuwanderung‘, da haben Sie vollkommen recht, aber was soll der Quatsch: keine Partei im Parlament will das ernsthaft. Alle Bemühungen der Parteien gehen dahin, möglichst auf Basis der von uns in Europa bisher gemeinschaftlich vertretenen humanistischen Werte den Migrationsdruck in einem kontrollierten und verkraftbaren Rahmen zu halten.

    Sie (wie andere Rechtspopulisten auch) bauen hier ständig irgendwelche Popanze auf, um deftig auf diese einzuschlagen. Das wäre ja nicht schlimm, eher sogar lustig, wenn die Schläge dann auch nur beim Popanz landen würde – das tun sie aber nicht. Dadurch wird der öffentliche Debattenraum fast vollständig blockiert, so dass für die wirklich wichtigen Zukunftsthemen (Finanzkapitalismus, Klimawandel, gerechte Ressourcenverteilung, Anpassung der Gesellschaft an die neue Altersstruktur, dritte und vierte industrielle Revolution, Digitalisierung aller Lebensbereiche etc. etc. ) kaum noch Platz ist.

    Was Ihre globale Rosinenpickerei angeht (kurz zusammengefasst: wertvoll sind die Menschen, die für uns materiell irgendwie ausnutzbar sind, der Rest ist kulturfremdes Untervolk), könnte für Sie vielleicht die für den 11. September geplante Sendung mit Frau Prof. Evi Hartmann hilfreich sein. Thema: „Wie viele Sklaven halten Sie? Über Globalisierung und Moral“

  11. Carinha

    In dieser Woche war Volkswagen ein wichtiges Thema am Markt. Denn VW wendet sich derzeit dem Thema Dieselskandal in den USA zu und will die Klagen dort mit einem Vergleich beilegen. Spätestens am 1. November sollen entsprechende Gespräche mit den Klägern beginnen. Im Raum stehen 100te Millionen Dollar an zusätzlichen Strafen durch einzelne US Bundesstaaten wegen der Verletzung von Luftreinheitsgesetzen. Hier liegt die Betonung auf ‚zusätzlichen Strafen‘.

    Was ist eigentlich mit den anderen Autofirmen, die die gleiche Software verwendet haben? Was ist mit allen anderen Ländern auf diesem Planeten, in die VW Autos geliefert hat? Werden da keine Strafen fällig?

    Bei denjenigen, bei denen es immer noch nicht gedämmert hat, wer hier durch wen ausgeplündert und beseitigt werden soll – nach VW kommt die Deutsche Bank dran – bei denen wird im Gehirnstübchen wohl nie ein Lichtlein aufgehen. Sie bleiben in ihrer kindlichen Weltanschauung gefangen, dass es nur gute US-Amerikaner gibt und somit auch eine US-Administration, die nur mit guten Menschen besetzt ist und wird und somit auch nur das beste für die ‚Welt‘ will, nämlich ‚Völkerfreundschaft‘, ‚Demokratie‘, ‚Freiheit‘ und ‚Wohlstand‘.
    Eine solche US-Administration kann in den Augen dieser Greenhörner niemals widerwärtige Taten begehen. Schuld müssen immer andere haben.
    Dafür genügen dann auch ganz einfache Erklärung, die diese Greenhörner dann gerne annehmen, wie zum Beispiel: „VW hat gegen die Luftreinheitsgesetze der USA verstoßen / die Deutsche Bank muss 5,1 Mrd-Strafe wegen Devisenvergehens (Rubel) und nicht genehmigtem Irangeschäft an die USA zahlen, das hätte die DB nicht machen dürfen / nur die Russen haben Staatsdoping im Sport betrieben / Die EU muß um mehr als 1 Million Asylbewerber und Migranten pro Jahr zu absorbieren und zu integrieren, den privaten Sektor mobilisieren usw.“.
    Ach so ist das, sagt sich dann der Gutmensch. Dann ist ja alles in bester Ordnung. Wie gut, daß die USA nicht nur der Weltpolizist, sondern auch der Weltgerichtshof ist. Dann ist es auch nicht mehr als richtig, wenn die USA dann die zu zahlenden Strafen ausschließlich bei sich behält. Wenn sich später erst einmal alle Völker und Unternehmen nach den Complianceregeln der USA richten (müssen), dann ist die Welt wieder in Ordnung und das Gute hat gesiegt. AMEN!

  12. Roland Kuntz

    @ Wadimy

    Ich glaube, dass Werner Rügemer das Dilemma mit den USA sehr gut in seinem Vortrag bei den NachDenkSeiten (24.Pleisweiler Gespräch) geschildert hat. Das ist spannender wie so mancher Krimi.
    youtube.com/watch?v=ElTzM6pvDJg – der Vortrag 1,5 Stunden
    youtube.com/watch?v=29RQJPL3LgQ – die Diskussion 1 Stunde

    In Textform, der Vortrag „Herrscher und Vasallen“ hier:
    nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22690
    (als Vortrag auf youtube 2 Stunden)

    Um es nochmal zu verkürzen, Rügemer skizziert ja die letzten 100 Jahre, so kann man sich ja mal die Frage stellen, welche Macht jemand ausüben kann, wenn er bei Ratingagenturen, Wirtschaftsberatungsunternehmen, Kreditkartenanbietern und Fondsgesellschaften die Nase vorne hat. Den IWF dominieren die USA ja auch.

  13. DAS

    Ende der 1960er Jahre habe ich zwei Jahre in den USA gearbeitet. Mir sind noch die TV-Serien in Erinnerung, in denen sich die Amis über die blöden Deutschen – allerdings Nazis, Gestapo usw. – lustig gemacht hatten. Jetzt haben sie selbst einen schreckliche Gesellschaft, die immer unfreier und undemokratischer wird. Trump symbolisiert das.
    Ich leite daraus auch für uns ab, dass sich die Individuen und Gesellschaften geistig-seelisch weiter entwickeln müssen. Nur Konsum, Reisen und Spaß werden da nicht reichen. Weitergehende Ideen hierzu in meinem Buch. Siehe ueberleben-wir.de/.

  14. Roland Kuntz

    @ Carinha

    Das kann man so sehen, ich sehe es aber ein wenig anders: Bei den Automobilherstellern frage ich mich seit vielen Jahren ob diese Narrenfreiheit haben; Stichwort geschönter Benzinverbrauch. Aber Sie haben schon Recht, man müsste natürlich alle Unternehmen unter die Lupe nehmen.
    Wussten Sie dass eine Person, die hin und wieder in eine „Fantasiewelt abdriftet“ nicht den Führerschein abgeben muss? Das durfte ich in der „weiteren“ Verwandtschaft miterleben. Das nenne ich Macht. Und das konnte man ja auch bei dieser Abwrackprämie sehen, die es niemals hätte geben dürfen.

    Die Deutsche Bank ist für uns nichts anderes mehr als ein Klotz am Bein und das eigentliche Bankgeschäft wird ja nur noch nebenbei betrieben. Sie ist eine der gefährlichsten Banken der Welt, Verhältnis Eigenkapital zu Fremdkapital mittlerweile bei 1:100? Jens Berger hat darüber schon in seinem Buch „Stresstest Deutschland“ geschrieben, damals war der Hebel „nur“ 1:44

  15. Wadimy

    @ Roland Kuntz
    vielen Dank für den Tipp; werde mir den Vortrag anhören.

  16. Jürgen Engel

    Todesstrafe, Folterpraxis nach Bedarf, ein Gefängnis mit quasi-rechtlosen Insassen, die einfach so auf Verdacht festgehalten werden bzw. wurden, die Ermordung missliebiger Menschen durch Vertreter des Staates auf offener Strasse und deren Mörder in „Schauprozessen“ freigesprochen werden, Waffengesetze, die erlauben Jugendliche bzw. Kinder in der Garage abzunallen, weil sie als Mutprobe ein paar Dosen Bier klauen wollten, Wahlbetrug ( Bush junior ); dazu eine Obrigkeit, die eine Totalüberwachung nicht nur der eigenen Bevölkerung sondern der ganzen Welt anstrebt und deren Außenpolitik im Kern darauf abzielt die eigene Rüstungsindustrie zu bedienen: Welcome to the United States of America, der Urheimat der Demokratie. Gut, dass alle wussten von wem hier die Rede ist, sonst hätte man beinahe auf die Idee kommen können, dass es sich hierbei um ein veritables Unrechtsregime handelt, denn das sind ( ! ) die zeitlosen Kennzeichen eines Unrechtregimes, die übrigens gerne Mal von eben diesen USA wegen Einhaltung der Menschenrechte kritisiert werden ( lol ).
    Dass nach eigener Anschauung großartigste Land der Welt, hat noch mehr Vorbildliches zu bieten, zum Beispiel Rentner, die an der Supermarktkasse eintüten oder Familienmütter/väter, die gleich drei Jobs haben um über die Runden zu kommen, dazu ausufernde Armut, die wiederum zur Befüllung der besonders menschwürdig geführten Privatgefängnisse beiträgt. Darüberhinaus ein Wirtschaftssystem, dessen völlig enthemmtes Finanzsystem schon mal dafür sorgt, dass die Leute aus ihren Häusern fliegen und sodann in Zeltstädten hausen müssen, wie in einem Drittweltland nach einer Naturkatastrophe. Nicht unerwähnt bleiben sollte noch der American way of life, ein Exportschlager: Macdonald, Coca Cola und Co. sorgen mit ihren kriminell fetten und süßen Speisen bzw. Getränken weltweit für frühzeitige Stoffwechselerkrankungen mit der Folge, dass insbesondere immer mehr Kinder und Jugendliche in die Hände der Pharmaindustrie fallen, so dass diese bis zu ihrem vorzeitigem Tod medikalisiert werden können. Das äußere Erscheinungsbild des Durchschnittsamerikaners und dessen Medikamenten(miss)gebrauchs haben auch diesbezüglich Modellcharakter. Der Rest der Welt könnte also, wenn er klug wäre von Amerika viel lernen: Nämlich alles daran setzen, dass im eigenen Land niemals amerikanische Verhältnisse herrschen. Leider ist der Rest der Welt nicht klug!

  17. Wadimy

    Josef Bramls hat ein ambivalentes Verhältnis zu den USA – und das ist angesichts der Geschichte dieses Landes und des Verhältnisses der „Alten Welt“, vor allem aber Deutschlands, zu diesem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ das wohl einzig mögliche.
    Einige Punkte, nicht zuletzt das anzustrebende Verhältnis Europas zu den USA kann man mit ebenso guten Argumenten ein wenig anders sehen als Herr Braml. Bemerkens- und zumindest für bedenkenswert fand ich den von mir bis dato kaum erwogenen Punkt, dass ein Zurückziehen der USA aus Europa, v.a. aus Deutschland (Stichwort hier: Ramstein) durchaus auch negative Konsequenzen für uns haben könnte.
    Insgesamt eine hörenswerte Sendung mit einem sehr sachkundigen Autor, von dem ich mir allerdings ab und zu etwas mehr Schwung – und zugegebenermaßen – auch etwas mehr Eingehen auf den Kern von Hörerfragen gewünscht hätte.

  18. Dieter Schwarz

    Es sind keine irischen, deutschen oder angelsächischen Protestanten oder Katholiken, auch keine Italiener, Schweden, Russen, Niederländer, Schwarze oder Chinesen, die von den USA aus die Welt terrorisieren. Alle diese Einwanderungsgruppen formen nur das amerikanische „Volk“, das heißt, die gleichgeschalteten Massen dort. Das sind Manipulations- und Propagandaopfer wie bei uns die Linken, Grünen, Transatlantiker und Natoanhänger, die in ihrer geistigen Verdrehtheit alle anderen Meinungen als „rechtspopulistisch“ verdammen wollen. Die Verantwortung für die imperialistische USA-Außenpolitik, für die seelentötende Pop-Kultur, für die Lügenfabrik Hollywood und all die anderen Übel, welche die USA über die Welt bringen, hat ausschließlich eine kleine Gruppe „Auserwählter“, die in den Aufsichtsräten der Investmentbanken, Trusts, Medien- und Filmunternehmen, Think Tanks, der Wall Street und des Weissen Hauses sitzen. Obwohl Juden (hier Semitisten gemeint) nur ca. 2% der USA-Bevölkerung ausmachen, stellen sie doch ca. 60 – 80% aller Hollywood-Bosse, „politischen Berater“ und „Intellektuellen“ und ca. 90 – 100% aller Investmentbanker, aller antiweissen Ideologen, aber auch aller sogenannten „Islamkritiker“. Diesen Tatsachen sollte man sich immer bewusst sein, wenn man über die Übel berichtet, welche „Amerika“ über die Menschheit bringt!

  19. Roland Kuntz

    Ich kann dem Autor nicht folgen, wenn er meint, dass es auch in Deutschland Politiker gibt, die die Interessen des Volkes vertreten und Tacheles mit den USA reden. Bei den Regierungsparteien?
    Und dass die USA unsere Sicherheit garantieren, kann ich auch nicht sehen. Diese aggressive NATO-Politik rückt uns eher ins Fadenkreuz. Und der Herr Obama hat ja gerade eine weitere Aufrüstung angemahnt.
    Wo könnten wir heute stehen, wenn man uns eine engere Zusammenarbeit mit Russland nach dem Ende des Warschauer Paktes erlaubt hätte? Aber das war ja gegen die amerikanischen Interessen.
    Die Bedeutung des militärisch-industriellen Komplexes in den USA zeigt doch deren Irrfahrt zur Genüge auf.

  20. Jürgen Engel

    @ Roland Kuntz
    Völlig richtig. Schutzschild ? Gegen wen denn? Glaubt denn ernsthaft jemand, dass Russland Litauen, Polen oder gar Deutschland ohne amerikanisches “ Schutzschild“ überfallen würde? Die Folgen wären sowohl militärisch als auch ökonomisch für Russland völlig unkalkulierbar. Man möge mir jetzt nicht mit der Krim kommen. Die hätte Russland viel leichter und ungestrafter in den Neunziger Jahren haben können. Nachdem der „legale“ Versuch die Ukraine während der Orangenen Revolution an den Westen anzubinden gescheitert war, weil die ostukrainische Bevölkerung mit ihrer Stimmenmehrheit einen prorussischen Präsidenten gewählt hatte, musste dieser erst weggeputscht werden, was dann zur Annexion der Krim geführt hat. Darauf hätte Russland vermutlich gern verzichtet, weil diese nun permanent alimentiert werden muss und außerdem noch jede Menge Ärger und ökonomischen Schaden ( Sanktionen) mit dem Westen einbringt.

  21. Wadimy

    @ Roland Kuntz
    „Und dass die USA unsere Sicherheit garantieren, kann ich auch nicht sehen. Diese aggressive NATO-Politik rückt uns eher ins Fadenkreuz.“

    Der „Partner“ USA, dem die Belange und Interessen Europas (wie die der gesamten restlichen Welt übrigens) absolut gleichgültig sind, sorgt doch in der Tat in zunehmendem Maße dafür, dass unsere Sicherheitslage (und nicht nur die) immer bedenklicher wird. (Bei diesem Themenkomplex empfand ich manche Äußerungen des gestrigen Autors – die zum Stichwort Ramstein etwa – in ihrer Absurdität geradezu als kabarettreif.)

  22. Jürgen Engel

    @ Wadimy

    Ja die NATO-Russland Strategie gefährdet zunehmend den Frieden anstatt ihn zu sichern. Truppenverlagerung nach Osteuropa, Raketenstationierung und ständige Manöver an der russischen Grenze sind nicht nur provokant sondern auch hochriskant, weil es dabei schnell zu „versehentlichen“ Konfrontationen kommen kann. Mit solchen „friedenssichernden“ Maßnahmen werden meistens Kriege vorbereitet. Auch wenn ich nicht glaube, dass es tatsächlich so weit kommt, empfinde ich diese militärische Interpretation des amerikanischen Schutzes sehr beunruhigend und gefährlich.

  23. HMS

    In einem hat der Autor (Josef Braml) Recht. Seit einiger Zeit können wir im Zusammenhang mit Amerika nicht mehr von einer Demokratie reden, nur noch von einer Plutokratie (Herrschaft des Geldes oder des Wuchers). Da Plutokratien in der Regel keine lange Lebensdauer haben, hoffe ich, dass für Europa nicht allzu schlimme Folgen auftreten werden.

  24. Roland Kuntz

    @ Jürgen Engel
    Ich muss Sie korrigieren, was den Begriff „Annexion“ betrifft. Den benutzen ja die „Qualitätsmedien“ gerne und deshalb hat er sich auch eingeprägt. Aber dafür hätte man das betreffende Gebiet gegen den Willen der Bevölkerung vereinnahmen müssen. Ist aber nicht passiert. Es ist wohl eher eine Art Sezession.
    Diese ganze fruchtlose Diskussion um Begriffe hätte man aus den Füßen, wenn man eine 2. Abstimmung durchgeführt hätte. Wollten aber gewisse Kreise nicht.

    @Wadimy
    Wenn ich richtig gehört habe, dann hat sich ja der Autor selbst als „Transatlantiker“ eingeordnet. Somit sind dann gewisse Einschätzungen nicht überraschend.
    Das ist ja genau dass Problem in den MSM, dass wir nicht erfahren, für wen eine Person ins Rennen geht. Wir kennen es ja von den Versicherungsvertretern, die für die private Altersvorsorge trommeln durften und dies weiter tun dürfen. Sie werden uns als neutrale Experten präsentiert.

  25. Roland Kuntz

    Die negativen Auswirkungen der Politik Reagans für die Gesellschaft der USA sind ja mittlerweile vielen Menschen bekannt.
    Ich möchte aber auf einen anderen Punkt hinweisen:
    Mir war nicht bekannt, dass das vermeintliche politische „Leichtgewicht“ Reagan alles getan hat, um die Sowjetunion zu verunsichern und zu provozieren (ein spezielles Täuschungskomitee wurde extra für diesen Zweck ins Leben gerufen).
    Das hat dann dazu geführt, dass die Sowjetunion nicht einschätzen konnte, ob das Manöver „Able Archer“ eine Übung ist oder ob man tatsächlich angegriffen wird. Die Bomber standen mit laufendem Motor auf der Startbahn. Die nukleare Katastrophe wurde im letzten Moment durch Spione verhindert.

    Wieder ein wichtiges Puzzlestück.

  26. Roland Kuntz

    Hier der Hinweis zur oben genannten Geschichte mit Reagan:
    „Täuschung – die Methode Reagan Arte Doku 2015, youtube 52 min.

  27. Wadimy

    @ Roland Kuntz
    Danke für den Hinweis. Werde mir den Beitrag ansehen.

    @ HMS
    „Da Plutokratien in der Regel keine lange Lebensdauer haben, hoffe ich, dass für Europa nicht allzu schlimme Folgen auftreten werden.“

    Das sehe ich radikal anders. Europa wird von den USA (aber nicht nur von ihnen) in den kommenden Jahren noch einiges zu erwarten haben, was ganz und gar nicht in der Kategorie „erfreulich“ unterzubringen sein dürfte.

    Um der Gefahr zu begegnen, dass Europa zwischen den großen Wirtschaftsmächten zerrieben wird, bedarf es DRINGEND einer gemeinsamen, legitime europäische Interessen verfolgenden, an einem Strang ziehenden europäischen Außenpolitik (ein Punkt übrigens, auf den der Autor von vorgestern – ich meine das jetzt nicht im übertragenen Sinne – überhaupt nicht eingegangen ist).

  28. Wadimy

    @ Roland Kuntz
    Viele Details diese hörenswerten Vortrags von Werner Rügemer über die USA, die sich auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bezogen, waren mir nicht bekannt; vor allem wusste ich nicht, dass „Pragmatismus“ in den USA auch damals schon derart ausgeprägt war, dass man sogar den aufstrebenden Hitler nach Kräften unterstützte.

    Die besagten Details lassen es um so berechtigter erscheinen, die USA kritisch zu sehen. Zu diesem kritischen, aber fairen, um ein Gesamtbild bemühten Blick gehört selbstverständlich auch das, was wir Deutschen, genauer gesagt Westdeutschen, den USA zu verdanken haben.

    (Auf die Diskussion zum Vortrag bin ich übrigens gespannt. – Danke nochmals für den Tipp!)

  29. Jürgen Engel

    An dem Verdienst eine nationalsozialistische Herrschaft unter hohem Blutzoll verhindert und anschließend Deutschland demokratiefähig gemacht zu haben gibt es in der Tat nichts zu deuteln, auch wenn dies alles nicht uneigennützig geschah, denn das war weltpolitisch eine elementar positive Einwirkung.

  30. Dieter Schwarz

    …vor allem wusste ich nicht, dass „Pragmatismus“ in den USA auch damals schon derart ausgeprägt war, dass man sogar den aufstrebenden Hitler nach Kräften unterstützte…

    Genau das ist das Problem. Die Deutschen weigern sich in der Masse, sich
    mit ihrer wahren Geschichte zu befassen. Würden sie es tun, würden sie viel klarer Zusammenhänge erkennen können. Von den gleichgeschalteten Systemmedien und der Bildungsindoktrinierung der Siegermächte in den Schulen haben sie natürlich so wenig zur geschichtlichen Aufklärung zu erwarten, wie ein Nordkoreaner von seinen Staatsapparatsmedien.

  31. Magdalena

    Im Zeitzeichen ging es heute um „Der Untertan“ von Heinrich Mann, bzw. die Premiere des DEFA Films 1951.

    Dass Heinrich Mann dieses Werk bereits 1906 begann und damit kritisch in die Kaiserzeit sah, sowie dass der Film in Westdeutschland gekürzt lief, scheint mir zu den Postings von gestern und heute zu passen.

    Eines brachte das Nächste hervor und somit ist die Unterstützung des NS-Regims durch die USA logisch. Ihr Volk hungerte ebenso wie die Völker Europas und der Militarismus brachte auch Brot für Frauen und Kinder.

  32. Wadimy

    @ Dieter Schwarz
    „Die Deutschen weigern sich in der Masse, sich
    mit ihrer wahren Geschichte zu befassen.“

    Es ist wohl sogar so, dass die Mehrzahl sich gar nicht weigert, sondern schlicht zu interesselos u./o. bequem ist (was die Sache aber alles andere als besser macht).

    Der Vergleich unserer Medien und Bildungseinrichtungen mit denen Nordkoreas ist sicherlich „überpointiert“. Man sollte bei allem Ärger über die Zustände „zu Hause“ – die ich teile – nicht übersehen, dass sie von denen in einem Lande wie Nordkorea weit entfernt sind.
    Trotzdem: Was Tendenzen anbelangt, stimme ich Ihnen insofern zu, als alle sich der Demokratie und der Menschlichkeit verpflichet fühlenden Zeitgenossen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen wehren sollten.

    (Für das Abschweifen vom Thema der Sendung bitte ich um Nachsicht. Um das Kernthema nicht zu verlassen, müsste man auf so manche Entgegnung zu wichtigen Beiträgen wie diesen von Dieter Schwarz schlicht verzichten, was ich einfach schade fände.)

  33. Roland Kuntz

    Wir zahlen einen hohen Preis für die Hilfen der USA. Das kann man gerade schön am Putsch in Brasilien sehen. Die möchten wenn möglich keine linken Regierungen. Ausnahme sind natürlich solche a la Rot/Grün, wenn sie rechte Politik machen.

    Und um das Thema meinerseits abzuschließen noch ein Zitat von Harry Truman zum 2.Weltkrieg:
    „Wenn wir sehen, dass Deutschland auf der Gewinnerstrasse ist, müssen wir Russland helfen. Und wenn Russland auf dem Weg ist den Sieg davonzutragen, dann müssen wir Deutschland helfen. Sodass auf diese Weise, auf beiden Seiten, möglichst viele umkommen..“

    So sieht es jemand, der aus einem Krieg Profit zieht.

  34. Dieter Schwarz

    …„Wenn wir sehen, dass Deutschland auf der Gewinnerstrasse ist, müssen wir Russland helfen. Und wenn Russland auf dem Weg ist den Sieg davonzutragen, dann müssen wir Deutschland helfen. Sodass auf diese Weise, auf beiden Seiten, möglichst viele umkommen.“ …

    Genau, und da sind die Leute in Deutschland den USA auch noch dankbar für ihre „Dämonkratie“. Die Deutschen sind leider ein Vasallenvolk, welches nicht in der Lage ist, die US-Militärmaschinerie endlich aus dem Lande zu werfen.

  35. Dolores Schmitt

    Die kontroverse ,heftige Diskussion zum Gesamtthema USA erinnert mich sehr an die Zeit der Nachrüstung mit Cruise Missiles und Pershing 2 mit ihrer raschen Politisierung in einer aufgeheizten Stimmung – und das nicht nur in Deutschland.
    An den Argumenten und wie sie aufeinanderprallen ist ersichtlich für wie explosiv die derzeitige Situation in Deutschland und der Welt und die Rolle der USA dabei gesehen wird.
    Meine Kritikpunkte zum nicht uninteressanten Buch von Josef Braml haben meine Vorredner/-schreiber bereits ausreichend vorgetragen (Atlantiker! Ramstein! Einseitige Nordkorea-Erwähnung ohne die Ewähnung der ständigen US-Präsenz und -Aktioneni in dieser Region! )
    Äußerst interessante Hinweise wie z.B. „Able Archer“ von Blog Diskutanten nehme ich gerne zur Kenntnis.
    Lieber Herr Dr. Albers. Bitte entschuldigen Sie, dass ich noch zum Ende dieser Woche diese Runde verlängere; aber die Diskussion gefiel mir so gut, dass ich mich für die anregende Möglichkeit der Diskussionsplattform bedanken möchte. Erhalten Sie sie bitte.
    Dolores Schmitt

  36. Jürgen Engel

    @ Dieter Schwarz

    Wenn man Nazi-Deutschland hätte den Krieg gewinnen lassen, dann könnten Sie sich weder über Dämonkratie oder sonstwas beklagen…
    denn das Leben von Menschen mit unpassender Gesinnung wäre auch im Nazi-Nachkriegsdeutschland nur von kurzer Dauer gewesen.
    PS: Wie gut, dass ich meist nicht merke wie schrecklich heutzutage alles ist.

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